Bei der Veranstaltung – zu der alle Interessierten herzlich eingeladen sind – werden die vielfältigen Ebenen von kollektivem transgenerationalem Trauma beleuchtet. Hierzu melden sich Zeitzeug*innen, Aktivist*innen und Wissenschaftler*innen zu Wort. Im Fokus stehen die historischen Erfahrungen des Holocaust, die bis heute nachwirken und die Bürgerrechtsbewegung der Sinti und Roma in Deutschland nachhaltig prägen. Das Programm bietet neben Vorträgen und Diskussionen auch Safe Spaces und Empowerment-Workshops.
13. November 2026, 19:45
Was sind Transgenerationstraumata und was machen sie mit uns? Einführung und Gespräch Moderation: Chana Dischereit
Alexandra Senfft mit Manja Schuecker-Weiss
>> zum Tagungsprogramm Evangelische Tagungsstätte Bad Boll Akademieweg 11 73087 Bad Boll
[…] The theme of being ‘implicated subjects’ (Michael Rothberg[iv]) with strong attachments to our families’ histories, was, at the end of the workshop again picked up by Alexandra Senfft, who — as the author of an acclaimed family history revolving around her grandfather who had been a high-ranking Nazi official — commented on all presentations. She pointed out that we are all products of our families’ histories: we have grown up with conspicuous silences and taboos as well as lies and stories that we are supposed to believe. We are also faced with conflicting double-bind messages, where one thing is said and the non-verbal communication brings across something else. All participants indeed talked about their forefathers’ involvement in the Nazi project having had sustained repercussions for family life and relationships during and long after the war. All grew up with troubled family histories which had a lasting effect on the next generations. That is why we may be bent on breaking the silence, how hurtful and distressing this may be for us. Senfft indeed suggested that we may be driven to explore these suppressed histories because they have been ‘passed on’ or ‘delegated’ to us as a kind of ‘silent or unspoken assignment’. These realities that we uncover may trigger unpleasant feelings and force us to realize that history hurts…
After listening attentively to the stories that had unfolded during the day, Alexandra Senfft commented on all the presentations, sharing her observations and theoretical considerations. She is the author of the highly acclaimed family history Schweigen tut weh: Eine deutsche Familiengeschichte (2007) as well as Der lange Schatten der Täter: Nachkommen stellen sich ihrer NS-Familiengeschichte (2016).[v]In addition, she collaborated with Dan Bar-On, an Israeli psychologist and therapist who initiated and facilitated German-Israeli and Israeli-Palestinian dialogues, encouraging people to share their painful stories and listen to others.[vi] Dialogue in conflict is understood as part of a process of understanding and rapprochement in the spirit of active peace work. Working with him, Alexandra gained much experience in terms of listening to the stories of victims and perpetrators alike. She explained that the transition from monologue to dialogue offers opportunities to move ahead: from solely confronting one’s own history to listening and empathizing with others, sharing and exchanging one’s thoughts and thereby giving them another quality.“
Seit der Online-Öffnung der NSDAP-Mitgliedskartei suchen viele Deutsche dort nach ihren Vorfahren. Doch was kann die Privat-Recherche in Zeiten der AfD bewirken? „Wie hätte ich mich damals verhalten?“ ist jedenfalls die falsche Frage
von Alexandra Senfft der Freitag, 4. Juni 2026
„Ein Blick in die Ende Februar online gestellte NSDAP-Mitgliedskartei, schon finde ich meinen Großvater väterlicherseits: eingetreten am 1. Mai 1933. Gerade noch in letzter Minute, denn am selben Tag pausierte die Nazi-Partei, die sich als Auslese der Besten empfand, weitere Aufnahmen bis 1937. Mein Großvater war Ingenieur und baute Brücken, auch für die Nazis. Ansonsten wurde er nicht weiter aktenkundig, er starb bald nach Kriegsbeginn an einem Nierenleiden. Ein Mitläufer war er allemal.
Anders verhält es sich mit dem Vater meiner Mutter. Als Gesandter Nazi-Deutschlands in der Slowakei hatte Hanns E. Ludin die Deportation der slowakischen Juden zu verantworten. Er wurde 1947 als Kriegsverbrecher in Bratislava gehängt. Seine Schuld und deren Leugnung zermürben meine Familie bis heute. Ausgerechnet ihn finde ich bei der Online-Recherche aber nicht beziehungsweise nur unter falsch geschriebenem Namen; ohne sein Geburtsdatum könnte ich ihn nicht identifizieren. Dabei war er ein ideologisch früh gefestigtes NSDAP-Mitglied – er und meine Großmutter traten schon 1930 ein.
Die meisten Nazis waren keine NSDAP-Mitglieder
Die Online-Datenbank alleine hätte mich bezüglich meiner Großväter glatt auf die falsche Fährte geführt. Die NSDAP-Kartei sagt nichts über das Maß individueller Schuld aus. Verbrechen und Beihilfe zum Mord begingen die Nazis auch ohne Parteibuch. Das brauchten sie auch nicht zum Wegsehen…“
Deutschlandfunk Kultur Lange Nacht von Burkard Reinartz, 9. Mai 2026
1933-1945: Die NS-Zeit war recht kurz, doch die Traumata, Schuld und Schweigen prägen Generationen. Immer mehr Nachkommen recherchieren: Auf welcher Seite standen die Vorfahren? Studien zeigen, wie groß die Lücke zwischen Erinnerung und Realität ist.
In diesem langen Podcast von Deutschlandfunk Kultur komme ich mehrfach zu Wort und freue mich, dass ich an diesem außergewöhnlich guten Feature mitwirken durfte.
Mein Interview in: Kulturleben, BR2, 30. April 2026
War Opa ein Nazi? Diese Frage haben sich sicher viele gestellt, die jetzt die endlich online gestellte NSDAP-Mitgliedskartei durchsucht haben. Woher das immense Interesse über 80 Jahre nach Kriegsende? Oder können erst die Enkel das familiäre Schweigekartell durchbrechen? Darüber diskutieren Alexandra Senfft, Buchautorin und Enkelin des NS-Kriegsverbrechers Hanns Ludin, und der TV Moderator Andreas Bönte, Enkel eines Täters bei den November-Pogromen, zusammen mit Andrea Mühlberger. Autorin: Andrea Mühlberger >> zum BR2 Beitrag
Über Schuld, Scham und Verantwortung in Täterfamilien
Am 23. Januar 2026 erschien mein Gespräch mit Shai Hoffmann, der den hervorragenden Podcast Über Israel und Palästina sprechen produziert. Es war ein interessanter Austausch, die Zeit verflog im Nu. Es war mir eine Freude, mit Shai zu reden.
Alexandra Senfft über Schuld, Scham und Verantwortung in Täterfamilien Über Israel und Palästina sprechen
In dieser Folge spreche ich mit Alexandra Senfft über Schuld, Scham, Verantwortung – und darüber, warum das Schweigen oft lauter wirkt als jedes Wort. Alexandra Senfft ist Autorin und Islamwissenschaftlerin. Seit 1984 reist sie regelmäßig in den Nahen Osten und hat sich früh eine tiefe regionale Expertise erarbeitet. Sie war Pressesprecherin von UNRWA im Gazastreifen während der ersten Intifada und hat politische Gewalt, Alltag und Trauma aus unmittelbarer Nähe erlebt.Zugleich engagiert sie sich seit vielen Jahren in der Erinnerungs- und Dialogarbeit: als Vorständin im Arbeitskreis für die intergenerationellen Folgen des Holocausts, als Vorstand und Mitbegründerin von Parents Circle Friends Deutschland sowie als Beisitzerin des Präsidiums der Lagergemeinschaft Dachau. Ausgehend von ihrer eigenen NS-Familiengeschichte sprechen wir darüber, was es bedeutet, Täter*innenschaft innerhalb der eigenen Familie anzuerkennen – und warum genau diese Auseinandersetzung so schmerzhaft, aber auch so notwendig ist. Senfft hat diese Fragen auch literarisch und analytisch bearbeitet, unter anderem in Schweigen tut weh. Eine deutsche Familiengeschichte, Fremder Feind, so nah und Der lange Schatten der Täter. Zuletzt veröffentlichte sie 2024 gemeinsam mit Romeo Franz Großonkel Pauls Geigenbogen, die Familiengeschichte eines preußischen Sinto. Wir reden über Abwehrmechanismen wie Verdrängung, Relativierung und Schuldumkehr. Über den Unterschied zwischen Schuld und Verantwortung. Und über die Frage, was passiert, wenn Tätergeschichten nicht aufgearbeitet werden – weder im Privaten noch gesellschaftlich. Ein weiterer Fokus liegt auf Dialogarbeit und biografischem Erzählen: Was braucht es, damit solche Räume nicht nur symbolisch bleiben, sondern tatsächlich transformativ wirken? Welche Rolle spielen Initiativen wie der Parents Circle, in denen Menschen trotz Gewalt und Verlust bewusst auf Entmenschlichung verzichten? Diese Folge ist eine Einladung, Widersprüche auszuhalten, Ambivalenzen zuzulassen und Verantwortung nicht als moralische Pose, sondern als Voraussetzung für Empathie und Konfliktfähigkeit zu begreifen. Gästin: Alexandra Senfft Host: Shai Hoffmann
>> zum Gespräch auf Spotify hier >> zum Gespräch auf apple Podcast hier >> zum Gespräch auf Instagram hier >> Homepage von Shai Hoffmann hier
Im Sommer 2025 war ich Gast in einem bemerkenswerten Podcast, den Schüler:innen aus Berlin Neuköln zum Thema Nahost geschaffen haben. Sie vollbrachten es, international renommierte Expertinnen und Experten rund um das Thema Israel und Palästina zu verschiedenen Aspekten des Konflikts zu interviewen. Mein Beitrag bezog sich auf das „Spannungsdreieck“ Israel-Palästina-Deutschland. Es war mir eine große Freude, mit den aufgeweckten Schülern zu sprechen. Der Podcast ging Ende Dezember 2025 online und erfreut sich bester Kritiken.
Mein Vortrag „Kontinuitäten des Antiziganismus und gesellschaftlicher Dialog“ im Bayerischen Landtag
Zum Gedenktag an den Auschwitz-Erlass von Heinrich Himmler am 16. Dezember 1942, der zur massiven Deportation deutscher Sinti und Roma führte, hielt ich am 12. Dezember im Bayerischen Landtag das Hauptreferat „Selbstbehauptung nach Auschwitz Kontinuitäten des Antiziganismus und gesellschaftlicher Dialog“. Engagierte Ansprachen gab es u. a. von Gülseren Demirel (Grüne Bayerischer Landtag), Marian Offmann (SPD-Stadtrat) und Ex-OB München Christian Ude. Beeindruckend auch der Erste Kriminalhauptkommissar Fabian Freese mit seinem Bekenntnis zur Rolle der Polizei in der NS-Zeit und ihrer Verantwortung heute. Organisiert hatte diese beeindruckende Gedenkstunde mit Musik vom Elias Prinz und Nico Franz Quartett das „Madhouse München“. Durch die Moderation führten Madhouse-Chef Alexander Diepold (Vorsitzender der Bundesvereinigung der Sinti und Roma BVSR) und Gaby dos Santos. Als Gäste anwesend waren unter anderem Patricia Koller, Vorsitzende des Behindertenverbands Bayern e. V., und Ernst Grube (Ehrenbürger Münchens und ehem. Präsident der Lagergemeinschaft Dachau). Dank an die Organisator:innen, alle Mitwirkenden und das aufmerksame Publikum für diesen würdevollen und bewegenden Abend!
Mein Buchpartner Romeo Franz und ich lasen am 2. Dezember auf Einladung des Literaturzentrums Hamburg und der Heinrich Böll Stiftung Hamburg aus unserem Buch „Großonkel Pauls Geigenbogen. Die Familiengeschichte eines preußischen Sinto“. Patricia Paweletz vom Literaturzentrum moderierte uns im schönen Veranstaltungsort „Kölibri“ in Hamburg St. Pauli. Es war eine besonders gelungene Lesung dank des empathischen und engagierten Hamburger Publikums — wir haben uns sehr wohl gefühlt!
In der Hamburger Stadtteilschule Julius-Leber Schule las ich am 2. Dezember 2025 den Schüler:innen aus meinem Buch „Fremder Feind so nah. Begegnungen mit Palästinensern und Israelis“ vor. Das Buch, mit Fotos von Judah Passow, ist 2009 erschienen aber — leider — noch immer so aktuell wie damals. Darin porträtiere ich auch Mitglieder des Parents Circle — Families Forum, dem Forum für trauernde palästinensische und israelische Angehörige (PCFF). Also Vorständin des deutschen Freundeskreises Parents Circle Friends Deutschland e. V. erzählte ich den Schüler:innen auch von unserer Arbeit und den Friedensaktivitäten des Parents Circles. Meine Botschaft war: Zum Frieden tragen wir nur bei, wenn wir uns für beide Seiten engagieren, für beide Narrative offen bleiben und Empathie für alle Betroffenen zeigen. Ich plädierte dafür, sich nicht auf social media oder von manchen Medien in eine Haltung von Hass und Rache treiben zu lassen. Es sei wichtig, die Dynamik der Polarisierung zu durchbrechen und friedensstiftend zu wirken.
Die Schüler:innen und ihre engagierten Lehrerinnen beteiligten sich rege an der anschließenden Diskussion. Es ist mir immer wieder eine große Freude, mit jungen Menschen ins Gespräch zu kommen!