Bei der Veranstaltung – zu der alle Interessierten herzlich eingeladen sind – werden die vielfältigen Ebenen von kollektivem transgenerationalem Trauma beleuchtet. Hierzu melden sich Zeitzeug*innen, Aktivist*innen und Wissenschaftler*innen zu Wort. Im Fokus stehen die historischen Erfahrungen des Holocaust, die bis heute nachwirken und die Bürgerrechtsbewegung der Sinti und Roma in Deutschland nachhaltig prägen. Das Programm bietet neben Vorträgen und Diskussionen auch Safe Spaces und Empowerment-Workshops.
13. November 2026, 19:45
Was sind Transgenerationstraumata und was machen sie mit uns? Einführung und Gespräch Moderation: Chana Dischereit
Alexandra Senfft mit Manja Schuecker-Weiss
>> zum Tagungsprogramm Evangelische Tagungsstätte Bad Boll Akademieweg 11 73087 Bad Boll
Kürzlich sprach Historiker David de Jong im „Freitag“ darüber, wie Unternehmerfamilien wie Quandt und Flick durch NS-Verbrechen reich wurden. Ein Name fehlte: Rheinmetall. Ralf Ahrens hat im Auftrag von Greenpeace hingeschaut.
Mein Gespräch mit Dr. Ralf Ahrens vom Leibniz-Zentrum für Zeithistorische Forschung in: der Freitag, 4. August 2026
NS-Geschichte Großvater, der Großverbrecher 12. Juli 2026 Axel Spilcker erzählt von seinem Opa Robert Ley, einem einflussreichen Nazi, und wie seine Familie mit dessen Schuld umging. Ein Buch über Schweigen und vererbte Traumata – und darüber, warum man jetzt davon schreiben sollte.
[Auszug] „Familienbücher über NS-Größen gibt es bisher wenige Es gibt bisher angesichts der schieren Masse an NS-Verbrechern und NS-Verantwortlichen für den Holocaust erstaunlich wenig innerfamiliäre Auseinandersetzungen, die für die Öffentlichkeit in Büchern verarbeitet wurden. Am bekanntesten ist sicher Niklas Frank, der Sohn des Leiters des Generalgouvernements im besetzten Polen, Hans Frank, der sich in einigen Büchern (vor allem „Der Vater. Eine Abrechnung“, 1987) mit großer Wut und teils verstörender Offenheit an seinem Vater abgearbeitet hat. Auch gibt es Monografien über Heinrich Himmler von seiner Großnichte Katrin Himmler („Die Brüder Himmler“, 2007) und über Hermann Göring von seiner Großnichte Bettina Göring („Der gute Onkel. Mein verdammtes deutsches Erbe“, 2004). Am besten hat die Thematik bisher die Autorin Alexandra Senfft in „Der lange Schatten der Täter. Nachkommen stellen sich ihrer NS-Familiengeschichte“ (2016) zusammengefasst. Alle bei Senfft beschriebenen Verhaltensweisen wie Schweigen, Scham, Verdrängen oder Schuldabwehr finden sich nun auch bei Axel Spilckers Reise in die dunkle Vergangenheit seiner Familie.„
Manche Shoah-Überlebende leiden erst Jahrzehnte später unter Traumata – indes glaubt Deutschland, die Vergangenheit bewältigt zu haben. Jacob Eder rüttelt im Buch „Jenseits der Staatsräson“ an der deutschen Erinnerungskultur. Ein Gespräch
Mein Gespräch mit Jacob Eder von der Barenboim-Said-Akademie Berlin in: der Freitag, 8. Juli 2026
[Auszug] „An der Berliner Barenboim-Said-Akademie lehren Sie jungen Musiker:innen aus dem Nahen und Mittleren Osten sowie Israel Geschichte – lauter Menschen aus verfeindeten Ländern. Wie schaffen sie es, deren widersprüchliche Narrative ins Gespräch zu bringen, ohne dass es zu Streit und Abbrüchen kommt?„
„Die Barenboim-Said-Akademie ist zunächst eine Musikhochschule, die gemeinsame Klammer ist die Musik. Zur musikalischen Bildung zählen wir aber auch humanistische Bildung: die Begegnung mit den Geschichten, Erfahrungen und Erzählungen der jeweils „Anderen“. Stereotype und unbewusste Vorurteile speisen sich bekanntlich aus vereinfachten, aber unvollständigen Narrativen, die wir über uns selbst und andere erzählen. Wenn wir im Dialog solche Narrative identifizieren und hinterfragen, erhöht das die Skepsis gegenüber vorschnellen Urteilen. Polarisierende Fragen werden darüber überhaupt erst gemeinsam besprechbar. Das erleben wir sehr praktisch, wenn israelische und palästinensische Studierende über 1948 diskutieren – Israels Staatsgründung und die „Nakba“ – oder wenn wir hören, was es bedeutet, als junge Musikerin im Iran aufzuwachsen, wenn türkische Studierende die Geschichte der „Gastarbeiter“ erklären oder allen bewusst wird, dass sie über einige Herkunftsländer ihrer Kommilitonen absolut gar nichts wissen. Meinungsverschiedenheiten bleiben mitunter bestehen, aber ohne die Vertrautheit mit der Sichtweise der jeweils anderen Seite und die Erkenntnis, dass jedes Narrativ seine eigene Geschichte und Funktion hat, lässt sich nicht einmal die Grundlage für ein Gespräch legen.“
My Nazi grandfather sent Tomi Reichental to Bergen-Belsen death camp Despite all the suffering he endured, the Holocaust survivor chose compassion over hate Alexandra Senfft in: Irish Times, 2. Juni 2026
„I was deeply anxious during the train journey from Vienna to Bratislava, the Slovak capital, in 2014. Holocaust survivor Tomi Reichental was expecting me there, together with Gerry Gregg’s film crew. They were shooting the documentary Close to Evil.
Tomi was born in Czechoslovakia but moved to Ireland in 1959. He had been a young boy when he and his family were deported by the Nazis to the Bergen-Belsen concentration camp in Germany in 1944. Tomi survived, but 35 of his relatives were murdered in the Holocaust; his grandmother died before his eyes in the camp.
My grandfather, however, was Hanns E Ludin, the “envoy of the Third Reich to Slovakia”, and it was he who signed the deportation orders. Ludin was convicted as a war criminal and executed in Bratislava in 1947.
Tomi’s and my family histories were thus tragically intertwined…“
Seit der Online-Öffnung der NSDAP-Mitgliedskartei suchen viele Deutsche dort nach ihren Vorfahren. Doch was kann die Privat-Recherche in Zeiten der AfD bewirken? „Wie hätte ich mich damals verhalten?“ ist jedenfalls die falsche Frage
von Alexandra Senfft der Freitag, 4. Juni 2026
„Ein Blick in die Ende Februar online gestellte NSDAP-Mitgliedskartei, schon finde ich meinen Großvater väterlicherseits: eingetreten am 1. Mai 1933. Gerade noch in letzter Minute, denn am selben Tag pausierte die Nazi-Partei, die sich als Auslese der Besten empfand, weitere Aufnahmen bis 1937. Mein Großvater war Ingenieur und baute Brücken, auch für die Nazis. Ansonsten wurde er nicht weiter aktenkundig, er starb bald nach Kriegsbeginn an einem Nierenleiden. Ein Mitläufer war er allemal.
Anders verhält es sich mit dem Vater meiner Mutter. Als Gesandter Nazi-Deutschlands in der Slowakei hatte Hanns E. Ludin die Deportation der slowakischen Juden zu verantworten. Er wurde 1947 als Kriegsverbrecher in Bratislava gehängt. Seine Schuld und deren Leugnung zermürben meine Familie bis heute. Ausgerechnet ihn finde ich bei der Online-Recherche aber nicht beziehungsweise nur unter falsch geschriebenem Namen; ohne sein Geburtsdatum könnte ich ihn nicht identifizieren. Dabei war er ein ideologisch früh gefestigtes NSDAP-Mitglied – er und meine Großmutter traten schon 1930 ein.
Die meisten Nazis waren keine NSDAP-Mitglieder
Die Online-Datenbank alleine hätte mich bezüglich meiner Großväter glatt auf die falsche Fährte geführt. Die NSDAP-Kartei sagt nichts über das Maß individueller Schuld aus. Verbrechen und Beihilfe zum Mord begingen die Nazis auch ohne Parteibuch. Das brauchten sie auch nicht zum Wegsehen…“
Mehr als zehn Millionen Menschen waren einst in der Hitler-Partei, die meisten verschwiegen es ihr Leben lang. Jetzt ist die Mitgliederkartei online, und mit ein paar Klicks sind Opa oder Oma entlarvt. Was macht das neue Wissen mit dem Land?
Alexandra Senfft als Co-Sprecherin und Vorständin des Arbeitskreis für Intergenerationelle Folgen des Holocaust, ehem. PAKH, in: der Spiegel, Nr. 12. 15. Mai 2026
»Viele auch der Urenkel merken, dass in ihrer familiären Biografie etwas nicht stimmt«, sagt Alexandra Senfft vom Arbeitskreis für Intergenerationelle Folgen des Holocaust, einem Dialogverein für Nachkommen von NS-Tätern und Opfern. »Sie suchen Aufklärung.« Der Arbeitskreis zähle inzwischen mehr als 200 Mitglieder. Häufiger Grund für die Kontaktaufnahme: Sie seien »über die politischen Verhältnisse sehr beunruhigt«.
Im Februar 2026 hatte ich die Gelegenheit, die Ingenieurin, Buchautorin und ungarische Überlebende des Holocaust, Dr. Agnes Kaposi, in London kennenzulernen. Sie ist unter anderem die Autorin von „Yellow Star-Red Star“. Nach fünf Stunden Gespräch stellten wir fest, dass wir noch lange hätten weitersprechen können. Was für eine beeindruckende Frau! Ich danke meinem Freund, Rabbiner und Fotograf Frank Dabba Smith, dass er uns zusammengebracht hat.
Über Schuld, Scham und Verantwortung in Täterfamilien
Am 23. Januar 2026 erschien mein Gespräch mit Shai Hoffmann, der den hervorragenden Podcast Über Israel und Palästina sprechen produziert. Es war ein interessanter Austausch, die Zeit verflog im Nu. Es war mir eine Freude, mit Shai zu reden.
Alexandra Senfft über Schuld, Scham und Verantwortung in Täterfamilien Über Israel und Palästina sprechen
In dieser Folge spreche ich mit Alexandra Senfft über Schuld, Scham, Verantwortung – und darüber, warum das Schweigen oft lauter wirkt als jedes Wort. Alexandra Senfft ist Autorin und Islamwissenschaftlerin. Seit 1984 reist sie regelmäßig in den Nahen Osten und hat sich früh eine tiefe regionale Expertise erarbeitet. Sie war Pressesprecherin von UNRWA im Gazastreifen während der ersten Intifada und hat politische Gewalt, Alltag und Trauma aus unmittelbarer Nähe erlebt.Zugleich engagiert sie sich seit vielen Jahren in der Erinnerungs- und Dialogarbeit: als Vorständin im Arbeitskreis für die intergenerationellen Folgen des Holocausts, als Vorstand und Mitbegründerin von Parents Circle Friends Deutschland sowie als Beisitzerin des Präsidiums der Lagergemeinschaft Dachau. Ausgehend von ihrer eigenen NS-Familiengeschichte sprechen wir darüber, was es bedeutet, Täter*innenschaft innerhalb der eigenen Familie anzuerkennen – und warum genau diese Auseinandersetzung so schmerzhaft, aber auch so notwendig ist. Senfft hat diese Fragen auch literarisch und analytisch bearbeitet, unter anderem in Schweigen tut weh. Eine deutsche Familiengeschichte, Fremder Feind, so nah und Der lange Schatten der Täter. Zuletzt veröffentlichte sie 2024 gemeinsam mit Romeo Franz Großonkel Pauls Geigenbogen, die Familiengeschichte eines preußischen Sinto. Wir reden über Abwehrmechanismen wie Verdrängung, Relativierung und Schuldumkehr. Über den Unterschied zwischen Schuld und Verantwortung. Und über die Frage, was passiert, wenn Tätergeschichten nicht aufgearbeitet werden – weder im Privaten noch gesellschaftlich. Ein weiterer Fokus liegt auf Dialogarbeit und biografischem Erzählen: Was braucht es, damit solche Räume nicht nur symbolisch bleiben, sondern tatsächlich transformativ wirken? Welche Rolle spielen Initiativen wie der Parents Circle, in denen Menschen trotz Gewalt und Verlust bewusst auf Entmenschlichung verzichten? Diese Folge ist eine Einladung, Widersprüche auszuhalten, Ambivalenzen zuzulassen und Verantwortung nicht als moralische Pose, sondern als Voraussetzung für Empathie und Konfliktfähigkeit zu begreifen. Gästin: Alexandra Senfft Host: Shai Hoffmann
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