Omar Kamil zeigt, warum Antisemitismus kein Wesensmerkmal des Islam ist

Der Historiker und Politikwissenschaftler Omar Kamil widerspricht den einfachen Erklärungen und verfolgt ins seinem neuen Buch „Muslimischer Antisemitismus“ die politischen und historischen Quellen des weltweiten Judenhasses
der Freitag, 09.10.2026
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„Es gebe „eine Art importierten Antisemitismus“, sagte Friedrich Merz 2025, angesprochen auf die stark angestiegenen antisemitischen Straftaten in Deutschland. Er begründete das mit „der großen Zahl von Migranten“ und meinte damit Menschen aus arabischen und muslimischen Ländern. Allein, Kriminalstatistiken belegen, dass rechtsextremer Antisemitismus weiterhin am virulentesten ist. Kürzlich bezeichnete der Kanzler Antisemitismus aber auch als „die perfideste Form von Ausländerfeindlichkeit“ – eine Ignoranz, die befürchten lässt, er könnte nicht nur gegen Muslime, sondern auch gegen Juden Vorurteile hegen.

Nun hat Merz die Bezeichnung „importierter Antisemitismus“ aber nicht erfunden: Seit den 2000er-Jahren befeuert dieser Begriff antimuslimische Ressentiments und rechtsradikale Rhetorik. Seit den Hamas-Verbrechen am 7. Oktober 2023 sind Muslime weitaus pauschaler in die Antisemitismuskritik gerückt – und mit ihnen zugleich jene, die sich für die Anerkennung palästinensischen Leids starkmachen.

Daher kommt das neue Buch von Omar Kamil gerade recht….“

Leben im Schatten – Transgenerationales Trauma von Sinti und Roma und sein Einfluss auf die politische Selbstorganisation

Bei der Veranstaltung – zu der alle Interessierten herzlich eingeladen sind – werden die vielfältigen Ebenen von kollektivem transgenerationalem Trauma beleuchtet. Hierzu melden sich Zeitzeug*innen, Aktivist*innen und Wissenschaftler*innen zu Wort. 
Im Fokus stehen die historischen Erfahrungen des Holocaust, die bis heute nachwirken und die Bürgerrechtsbewegung der Sinti und Roma in Deutschland nachhaltig prägen. Das Programm bietet neben Vorträgen und Diskussionen auch Safe Spaces und Empowerment-Workshops.

13. November 2026, 19:45

Was sind Transgenerationstraumata und was machen sie mit uns?
Einführung und Gespräch
Moderation: Chana Dischereit

Alexandra Senfft mit Manja Schuecker-Weiss

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Evangelische Tagungsstätte Bad Boll
Akademieweg 11
73087 Bad Boll

Historiker über NS-Aufarbeitung von Rheinmetall: „Stellen sich als Opfer der Umstände dar“

Kürzlich sprach Historiker David de Jong im „Freitag“ darüber, wie Unternehmerfamilien wie Quandt und Flick durch NS-Verbrechen reich wurden. Ein Name fehlte: Rheinmetall. Ralf Ahrens hat im Auftrag von Greenpeace hingeschaut.

Mein Gespräch mit Dr. Ralf Ahrens vom Leibniz-Zentrum für Zeithistorische Forschung in:
der Freitag, 4. August 2026

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Robert Probst in der Süddeutschen Zeitung über mein Buch „Der Lange Schatten der Täter“

NS-Geschichte
Großvater, der Großverbrecher
12. Juli 2026
Axel Spilcker erzählt von seinem Opa Robert Ley, einem einflussreichen Nazi, und wie seine Familie mit dessen Schuld umging. Ein Buch über Schweigen und vererbte Traumata – und darüber, warum man jetzt davon schreiben sollte.

[Auszug]
„Familienbücher über NS-Größen gibt es bisher wenige
Es gibt bisher angesichts der schieren Masse an NS-Verbrechern und NS-Verantwortlichen für den Holocaust erstaunlich wenig innerfamiliäre Auseinandersetzungen, die für die Öffentlichkeit in Büchern verarbeitet wurden. Am bekanntesten ist sicher Niklas Frank, der Sohn des Leiters des Generalgouvernements im besetzten Polen, Hans Frank, der sich in einigen Büchern (vor allem „Der Vater. Eine Abrechnung“, 1987) mit großer Wut und teils verstörender Offenheit an seinem Vater abgearbeitet hat. Auch gibt es Monografien über Heinrich Himmler von seiner Großnichte Katrin Himmler („Die Brüder Himmler“, 2007) und über Hermann Göring von seiner Großnichte Bettina Göring („Der gute Onkel. Mein verdammtes deutsches Erbe“, 2004). Am besten hat die Thematik bisher die Autorin Alexandra Senfft in „Der lange Schatten der Täter. Nachkommen stellen sich ihrer NS-Familiengeschichte“ (2016) zusammengefasst. Alle bei Senfft beschriebenen Verhaltensweisen wie Schweigen, Scham, Verdrängen oder Schuldabwehr finden sich nun auch bei Axel Spilckers Reise in die dunkle Vergangenheit seiner Familie.„

zur Rezension in: Süddeutsche Zeitung, 12. Juli 2026

Historiker: „Nie wieder ist jetzt? Der Slogan verkennt, dass Holocaustleid nie endete“

Manche Shoah-Überlebende leiden erst Jahrzehnte später unter Traumata – indes glaubt Deutschland, die Vergangenheit bewältigt zu haben. Jacob Eder rüttelt im Buch „Jenseits der Staatsräson“ an der deutschen Erinnerungskultur. Ein Gespräch

Mein Gespräch mit Jacob Eder von der Barenboim-Said-Akademie Berlin
in: der Freitag, 8. Juli 2026

[Auszug]
„An der Berliner Barenboim-Said-Akademie lehren Sie jungen Musiker:innen aus dem Nahen und Mittleren Osten sowie Israel Geschichte – lauter Menschen aus verfeindeten Ländern. Wie schaffen sie es, deren widersprüchliche Narrative ins Gespräch zu bringen, ohne dass es zu Streit und Abbrüchen kommt?„

„Die Barenboim-Said-Akademie ist zunächst eine Musikhochschule, die gemeinsame Klammer ist die Musik. Zur musikalischen Bildung zählen wir aber auch humanistische Bildung: die Begegnung mit den Geschichten, Erfahrungen und Erzählungen der jeweils „Anderen“. Stereotype und unbewusste Vorurteile speisen sich bekanntlich aus vereinfachten, aber unvollständigen Narrativen, die wir über uns selbst und andere erzählen. Wenn wir im Dialog solche Narrative identifizieren und hinterfragen, erhöht das die Skepsis gegenüber vorschnellen Urteilen. Polarisierende Fragen werden darüber überhaupt erst gemeinsam besprechbar.
Das erleben wir sehr praktisch, wenn israelische und palästinensische Studierende über 1948 diskutieren – Israels Staatsgründung und die „Nakba“ – oder wenn wir hören, was es bedeutet, als junge Musikerin im Iran aufzuwachsen, wenn türkische Studierende die Geschichte der „Gastarbeiter“ erklären oder allen bewusst wird, dass sie über einige Herkunftsländer ihrer Kommilitonen absolut gar nichts wissen. Meinungsverschiedenheiten bleiben mitunter bestehen, aber ohne die Vertrautheit mit der Sichtweise der jeweils anderen Seite und die Erkenntnis, dass jedes Narrativ seine eigene Geschichte und Funktion hat, lässt sich nicht einmal die Grundlage für ein Gespräch legen.“

>> zum Artikel, der Freitag, 10. Juli 2026 (paywall)

Tribute to Tomi Reichental

My Nazi grandfather sent Tomi Reichental to Bergen-Belsen death camp 
Despite all the suffering he endured, the Holocaust survivor chose compassion over hate
Alexandra Senfft in: Irish Times, 2. Juni 2026

„I was deeply anxious during the train journey from Vienna to Bratislava, the Slovak capital, in 2014. Holocaust survivor Tomi Reichental was expecting me there, together with Gerry Gregg’s film crew. They were shooting the documentary Close to Evil. 

Tomi was born in Czechoslovakia but moved to Ireland in 1959. He had been a young boy when he and his family were deported by the Nazis to the Bergen-Belsen concentration camp in Germany in 1944. Tomi survived, but 35 of his relatives were murdered in the Holocaust; his grandmother died before his eyes in the camp.

My grandfather, however, was Hanns E Ludin, the “envoy of the Third Reich to Slovakia”, and it was he who signed the deportation orders. Ludin was convicted as a war criminal and executed in Bratislava in 1947.

Tomi’s and my family histories were thus tragically intertwined…“

>> weiterlesen, Irish Times, 2. Juni 2026

Foto: Tomi Reichental mit Alexandra Senfft und ihrer Tochter Magdalena bei den Dreharbeiten zu Close to Evil, Bratislava 2014

Wer in der NSDAP-Mitgliederkartei seinen Opi findet, kann die Wahrheit trotzdem leugnen

Seit der Online-Öffnung der NSDAP-Mitgliedskartei suchen viele Deutsche dort nach ihren Vorfahren. Doch was kann die Privat-Recherche in Zeiten der AfD bewirken? „Wie hätte ich mich damals verhalten?“ ist jedenfalls die falsche Frage

von Alexandra Senfft
der Freitag, 4. Juni 2026

„Ein Blick in die Ende Februar online gestellte NSDAP-Mitgliedskartei, schon finde ich meinen Großvater väterlicherseits: eingetreten am 1. Mai 1933. Gerade noch in letzter Minute, denn am selben Tag pausierte die Nazi-Partei, die sich als Auslese der Besten empfand, weitere Aufnahmen bis 1937. Mein Großvater war Ingenieur und baute Brücken, auch für die Nazis. Ansonsten wurde er nicht weiter aktenkundig, er starb bald nach Kriegsbeginn an einem Nierenleiden. Ein Mitläufer war er allemal.

Anders verhält es sich mit dem Vater meiner Mutter. Als Gesandter Nazi-Deutschlands in der Slowakei hatte Hanns E. Ludin die Deportation der slowakischen Juden zu verantworten. Er wurde 1947 als Kriegsverbrecher in Bratislava gehängt. Seine Schuld und deren Leugnung zermürben meine Familie bis heute. Ausgerechnet ihn finde ich bei der Online-Recherche aber nicht beziehungsweise nur unter falsch geschriebenem Namen; ohne sein Geburtsdatum könnte ich ihn nicht identifizieren. Dabei war er ein ideologisch früh gefestigtes NSDAP-Mitglied – er und meine Großmutter traten schon 1930 ein.

Die meisten Nazis waren keine NSDAP-Mitglieder

Die Online-Datenbank alleine hätte mich bezüglich meiner Großväter glatt auf die falsche Fährte geführt. Die NSDAP-Kartei sagt nichts über das Maß individueller Schuld aus. Verbrechen und Beihilfe zum Mord begingen die Nazis auch ohne Parteibuch. Das brauchten sie auch nicht zum Wegsehen…“

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DAS LÜGEN HAT EIN ENDE

Mehr als zehn Millionen Menschen waren einst in der Hitler-Partei, die meisten verschwiegen es ihr Leben lang. Jetzt ist die Mitgliederkartei online, und mit ein paar Klicks sind Opa oder Oma entlarvt. Was macht das neue Wissen mit dem Land?

Alexandra Senfft als Co-Sprecherin und Vorständin des Arbeitskreis für Intergenerationelle Folgen des Holocaust, ehem. PAKH, in: der Spiegel, Nr. 12. 15. Mai 2026

»Viele auch der Urenkel merken, dass in ihrer familiären Biografie etwas nicht stimmt«, sagt Alexandra Senfft vom Arbeitskreis für Intergenerationelle Folgen des Holocaust, einem Dialogverein für Nachkommen von NS-Tätern und Opfern. »Sie suchen Aufklärung.« Der Arbeitskreis zähle inzwischen mehr als 200 Mitglieder. Häufiger Grund für die Kontaktaufnahme: Sie seien »über die politischen Verhältnisse sehr beunruhigt«.

>> gehe zu der Spiegel, Nr. 12. 15. Mai 2026

Begegnungen mit Dr. Agnes Kaposi

Im Februar 2026 hatte ich die Gelegenheit, die Ingenieurin, Buchautorin und ungarische Überlebende des Holocaust, Dr. Agnes Kaposi, in London kennenzulernen. Sie ist unter anderem die Autorin von „Yellow Star-Red Star“. Nach fünf Stunden Gespräch stellten wir fest, dass wir noch lange hätten weitersprechen können. Was für eine beeindruckende Frau! Ich danke meinem Freund, Rabbiner und Fotograf Frank Dabba Smith, dass er uns zusammengebracht hat.

Foto: Frank Dabba Smith