
Archiv des Autors: AlexandraSenfft
DAS LÜGEN HAT EIN ENDE
Mehr als zehn Millionen Menschen waren einst in der Hitler-Partei, die meisten verschwiegen es ihr Leben lang. Jetzt ist die Mitgliederkartei online, und mit ein paar Klicks sind Opa oder Oma entlarvt. Was macht das neue Wissen mit dem Land?
Alexandra Senfft als Co-Sprecherin und Vorständin des Arbeitskreis für Intergenerationelle Folgen des Holocaust, ehem. PAKH, in: der Spiegel, Nr. 12. 15. Mai 2026
»Viele auch der Urenkel merken, dass in ihrer familiären Biografie etwas nicht stimmt«, sagt Alexandra Senfft vom Arbeitskreis für Intergenerationelle Folgen des Holocaust, einem Dialogverein für Nachkommen von NS-Tätern und Opfern. »Sie suchen Aufklärung.« Der Arbeitskreis zähle inzwischen mehr als 200 Mitglieder. Häufiger Grund für die Kontaktaufnahme: Sie seien »über die politischen Verhältnisse sehr beunruhigt«.
Die Last des Schweigens
Folgen der NS-Zeit
Deutschlandfunk Kultur Lange Nacht von Burkard Reinartz, 9. Mai 2026
1933-1945: Die NS-Zeit war recht kurz, doch die Traumata, Schuld und Schweigen prägen Generationen. Immer mehr Nachkommen recherchieren: Auf welcher Seite standen die Vorfahren? Studien zeigen, wie groß die Lücke zwischen Erinnerung und Realität ist.
In diesem langen Podcast von Deutschlandfunk Kultur komme ich mehrfach zu Wort und freue mich, dass ich an diesem außergewöhnlich guten Feature mitwirken durfte.
>> zum Beitrag auf Deutschlandfunk Kultur, 9.5.25
„Plötzlich war ich Mitglied einer Täterfamilie!“
Mein Interview in: Kulturleben, BR2, 30. April 2026
War Opa ein Nazi? Diese Frage haben sich sicher viele gestellt, die jetzt die endlich online gestellte NSDAP-Mitgliedskartei durchsucht haben. Woher das immense Interesse über 80 Jahre nach Kriegsende? Oder können erst die Enkel das familiäre Schweigekartell durchbrechen? Darüber diskutieren Alexandra Senfft, Buchautorin und Enkelin des NS-Kriegsverbrechers Hanns Ludin, und der TV Moderator Andreas Bönte, Enkel eines Täters bei den November-Pogromen, zusammen mit Andrea Mühlberger.
Autorin: Andrea Mühlberger
>> zum BR2 Beitrag

Begegnungen mit Dr. Agnes Kaposi
Im Februar 2026 hatte ich die Gelegenheit, die Ingenieurin, Buchautorin und ungarische Überlebende des Holocaust, Dr. Agnes Kaposi, in London kennenzulernen. Sie ist unter anderem die Autorin von „Yellow Star-Red Star“. Nach fünf Stunden Gespräch stellten wir fest, dass wir noch lange hätten weitersprechen können. Was für eine beeindruckende Frau! Ich danke meinem Freund, Rabbiner und Fotograf Frank Dabba Smith, dass er uns zusammengebracht hat.

Foto: Frank Dabba Smith
Erzählungen aus einem fernen Inferno
Die syrische Autorin Samar Yazbek hat Überlebende aus Gaza interviewt. Das Leid, das die Augenzeugenberichte dokumentieren, soll Eingang ins kollektive Gedächtnis finden
taz, 18. April 2026
[…] „Es gibt keine Kinder in Gaza; wir müssen zu schnell erwachsen werden“, sagt eine 13-Jährige, die als einzige das Bombardement eines UN-Busses überlebte. Viele Kinder wollten sich nützlich machen, indem sie versprengte Körperteile sammelten. Ein 16-Jähriger berichtet, welche Gewalt sich wegen eines Schlucks Wasser auch untereinander entfaltete; wer rücksichtsvoll war, ging leer aus
Samar Yazbek ertrug es, die Geschichten der Betroffenen anzuhören, nun mutet sie sie ihren Leser:innen zu. Es sind Dokumente unermesslichen Leids. Die Autorin betont zugleich, dass ihre Gesprächspartner des Mitleids nicht bedürften. Fast alle träumen davon, eines Tages nach Gaza zurückzukehren“.

Die letzten Tage von Alexandria
Bestsellerautor Alaa al-Aswani beschreibt, wie Nationalismus und Misstrauen eine ganze Stadt verstummen lassen
Meine Rezension von Die Bäume streifen durch Alexandria von Alaa al-Aswani, Hanser Verlag 2026 in: der Freitag 11/26, 11. März 2026
>> zur Rezension (hinter paywall)
#ENOUGH! Globaler Frauen*Generalstreik
Am 9. März streikten Frau in Deutschland und in der Welt unter dem Motto #GENUG! Enough!, um auf ihre Rechte aufmerksam zu machen und ihr GENUG! kundzutun. Ich organisierte im Landkreis Landsberg am Lech einen kleinen Streik, und es kamen rund 40 Frauen und Männer. Es war eine schöne Stimmung und es gab gute Begegnungen. Gern nächstes Jahr wieder!


Dialogue, Memory, and Conflict Across Germany and the Middle East
SOAS University of London (MB G3)London, England
Friday, Feb 20 from 5 pm to 7 pm GMT
Join us for a conversation with Alexandra Senfft, who draws on personal storytelling and biographical reflection to explore the human dimensions of the Middle East conflict.
>> link to the event
Podcast Über Israel und Palästina
Über Schuld, Scham und Verantwortung in Täterfamilien
Am 23. Januar 2026 erschien mein Gespräch mit Shai Hoffmann, der den hervorragenden Podcast Über Israel und Palästina sprechen produziert. Es war ein interessanter Austausch, die Zeit verflog im Nu. Es war mir eine Freude, mit Shai zu reden.
Alexandra Senfft über Schuld, Scham und Verantwortung in Täterfamilien
Über Israel und Palästina sprechen
In dieser Folge spreche ich mit Alexandra Senfft über Schuld, Scham, Verantwortung – und darüber, warum das Schweigen oft lauter wirkt als jedes Wort. Alexandra Senfft ist Autorin und Islamwissenschaftlerin. Seit 1984 reist sie regelmäßig in den Nahen Osten und hat sich früh eine tiefe regionale Expertise erarbeitet. Sie war Pressesprecherin von UNRWA im Gazastreifen während der ersten Intifada und hat politische Gewalt, Alltag und Trauma aus unmittelbarer Nähe erlebt.Zugleich engagiert sie sich seit vielen Jahren in der Erinnerungs- und Dialogarbeit: als Vorständin im Arbeitskreis für die intergenerationellen Folgen des Holocausts, als Vorstand und Mitbegründerin von Parents Circle Friends Deutschland sowie als Beisitzerin des Präsidiums der Lagergemeinschaft Dachau. Ausgehend von ihrer eigenen NS-Familiengeschichte sprechen wir darüber, was es bedeutet, Täter*innenschaft innerhalb der eigenen Familie anzuerkennen – und warum genau diese Auseinandersetzung so schmerzhaft, aber auch so notwendig ist. Senfft hat diese Fragen auch literarisch und analytisch bearbeitet, unter anderem in Schweigen tut weh. Eine deutsche Familiengeschichte, Fremder Feind, so nah und Der lange Schatten der Täter. Zuletzt veröffentlichte sie 2024 gemeinsam mit Romeo Franz Großonkel Pauls Geigenbogen, die Familiengeschichte eines preußischen Sinto. Wir reden über Abwehrmechanismen wie Verdrängung, Relativierung und Schuldumkehr. Über den Unterschied zwischen Schuld und Verantwortung. Und über die Frage, was passiert, wenn Tätergeschichten nicht aufgearbeitet werden – weder im Privaten noch gesellschaftlich. Ein weiterer Fokus liegt auf Dialogarbeit und biografischem Erzählen: Was braucht es, damit solche Räume nicht nur symbolisch bleiben, sondern tatsächlich transformativ wirken? Welche Rolle spielen Initiativen wie der Parents Circle, in denen Menschen trotz Gewalt und Verlust bewusst auf Entmenschlichung verzichten? Diese Folge ist eine Einladung, Widersprüche auszuhalten, Ambivalenzen zuzulassen und Verantwortung nicht als moralische Pose, sondern als Voraussetzung für Empathie und Konfliktfähigkeit zu begreifen.
Gästin: Alexandra Senfft
Host: Shai Hoffmann
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