Mein Interview in: Kulturleben, BR2, 30. April 2026
War Opa ein Nazi? Diese Frage haben sich sicher viele gestellt, die jetzt die endlich online gestellte NSDAP-Mitgliedskartei durchsucht haben. Woher das immense Interesse über 80 Jahre nach Kriegsende? Oder können erst die Enkel das familiäre Schweigekartell durchbrechen? Darüber diskutieren Alexandra Senfft, Buchautorin und Enkelin des NS-Kriegsverbrechers Hanns Ludin, und der TV Moderator Andreas Bönte, Enkel eines Täters bei den November-Pogromen, zusammen mit Andrea Mühlberger. Autorin: Andrea Mühlberger >> zum BR2 Beitrag
Im Februar 2026 hatte ich die Gelegenheit, die Ingenieurin, Buchautorin und ungarische Überlebende des Holocaust, Dr. Agnes Kaposi, in London kennenzulernen. Sie ist unter anderem die Autorin von „Yellow Star-Red Star“. Nach fünf Stunden Gespräch stellten wir fest, dass wir noch lange hätten weitersprechen können. Was für eine beeindruckende Frau! Ich danke meinem Freund, Rabbiner und Fotograf Frank Dabba Smith, dass er uns zusammengebracht hat.
Die syrische Autorin Samar Yazbek hat Überlebende aus Gaza interviewt. Das Leid, das die Augenzeugenberichte dokumentieren, soll Eingang ins kollektive Gedächtnis finden
[…] „Es gibt keine Kinder in Gaza; wir müssen zu schnell erwachsen werden“, sagt eine 13-Jährige, die als einzige das Bombardement eines UN-Busses überlebte. Viele Kinder wollten sich nützlich machen, indem sie versprengte Körperteile sammelten. Ein 16-Jähriger berichtet, welche Gewalt sich wegen eines Schlucks Wasser auch untereinander entfaltete; wer rücksichtsvoll war, ging leer aus
Samar Yazbek ertrug es, die Geschichten der Betroffenen anzuhören, nun mutet sie sie ihren Leser:innen zu. Es sind Dokumente unermesslichen Leids. Die Autorin betont zugleich, dass ihre Gesprächspartner des Mitleids nicht bedürften. Fast alle träumen davon, eines Tages nach Gaza zurückzukehren“.
Bestsellerautor Alaa al-Aswani beschreibt, wie Nationalismus und Misstrauen eine ganze Stadt verstummen lassen Meine Rezension von Die Bäume streifen durch Alexandria von Alaa al-Aswani, Hanser Verlag 2026 in: der Freitag 11/26, 11. März 2026 >> zur Rezension (hinter paywall)
Am 9. März streikten Frau in Deutschland und in der Welt unter dem Motto #GENUG! Enough!, um auf ihre Rechte aufmerksam zu machen und ihr GENUG! kundzutun. Ich organisierte im Landkreis Landsberg am Lech einen kleinen Streik, und es kamen rund 40 Frauen und Männer. Es war eine schöne Stimmung und es gab gute Begegnungen. Gern nächstes Jahr wieder!
Join us for a conversation with Alexandra Senfft, who draws on personal storytelling and biographical reflection to explore the human dimensions of the Middle East conflict.
Über Schuld, Scham und Verantwortung in Täterfamilien
Am 23. Januar 2026 erschien mein Gespräch mit Shai Hoffmann, der den hervorragenden Podcast Über Israel und Palästina sprechen produziert. Es war ein interessanter Austausch, die Zeit verflog im Nu. Es war mir eine Freude, mit Shai zu reden.
Alexandra Senfft über Schuld, Scham und Verantwortung in Täterfamilien Über Israel und Palästina sprechen
In dieser Folge spreche ich mit Alexandra Senfft über Schuld, Scham, Verantwortung – und darüber, warum das Schweigen oft lauter wirkt als jedes Wort. Alexandra Senfft ist Autorin und Islamwissenschaftlerin. Seit 1984 reist sie regelmäßig in den Nahen Osten und hat sich früh eine tiefe regionale Expertise erarbeitet. Sie war Pressesprecherin von UNRWA im Gazastreifen während der ersten Intifada und hat politische Gewalt, Alltag und Trauma aus unmittelbarer Nähe erlebt.Zugleich engagiert sie sich seit vielen Jahren in der Erinnerungs- und Dialogarbeit: als Vorständin im Arbeitskreis für die intergenerationellen Folgen des Holocausts, als Vorstand und Mitbegründerin von Parents Circle Friends Deutschland sowie als Beisitzerin des Präsidiums der Lagergemeinschaft Dachau. Ausgehend von ihrer eigenen NS-Familiengeschichte sprechen wir darüber, was es bedeutet, Täter*innenschaft innerhalb der eigenen Familie anzuerkennen – und warum genau diese Auseinandersetzung so schmerzhaft, aber auch so notwendig ist. Senfft hat diese Fragen auch literarisch und analytisch bearbeitet, unter anderem in Schweigen tut weh. Eine deutsche Familiengeschichte, Fremder Feind, so nah und Der lange Schatten der Täter. Zuletzt veröffentlichte sie 2024 gemeinsam mit Romeo Franz Großonkel Pauls Geigenbogen, die Familiengeschichte eines preußischen Sinto. Wir reden über Abwehrmechanismen wie Verdrängung, Relativierung und Schuldumkehr. Über den Unterschied zwischen Schuld und Verantwortung. Und über die Frage, was passiert, wenn Tätergeschichten nicht aufgearbeitet werden – weder im Privaten noch gesellschaftlich. Ein weiterer Fokus liegt auf Dialogarbeit und biografischem Erzählen: Was braucht es, damit solche Räume nicht nur symbolisch bleiben, sondern tatsächlich transformativ wirken? Welche Rolle spielen Initiativen wie der Parents Circle, in denen Menschen trotz Gewalt und Verlust bewusst auf Entmenschlichung verzichten? Diese Folge ist eine Einladung, Widersprüche auszuhalten, Ambivalenzen zuzulassen und Verantwortung nicht als moralische Pose, sondern als Voraussetzung für Empathie und Konfliktfähigkeit zu begreifen. Gästin: Alexandra Senfft Host: Shai Hoffmann
>> zum Gespräch auf Spotify hier >> zum Gespräch auf apple Podcast hier >> zum Gespräch auf Instagram hier >> Homepage von Shai Hoffmann hier
„Großonkel Pauls Geigenbogen ist eine faszinierende Familiensaga und zugleich eine sehr gut geschriebene Geschichtserzählung über das Leben von Sinti und Roma im 20. und 21. Jahrhundert. Das verheerende Ausmaß des während des Nationalsozialismus begangenen Völkermordes wird durch die persönlichen Geschichten auf berührende Art und Weise deutlich, ebenso die Folgen des bis heute anhaltenden Rassismus gegen die Minderheit und das aktive Engagement der Communitys für ein gleichberechtigtes Leben.“ Karola Fings, Historikerin
Dieses Jahr lesen wir noch in den Gedenkstätten Ahlem und Mauthausen, sowie auf dem Interkulturellen Fest in Freiburg. Weiter Buchungen sind möglich.
Das berührende Memoir einer preußischen Sinti-Familie
Seit mehr als 600 Jahren leben Sinti in Deutschland, Roma seit 200 Jahren. Ihre Kultur reicht viele Jahrhunderte zurück und ist tief mit der deutschen Historie verwoben. Anfangs noch als Handwerker, Künstler und Kaufleute hochgeachtet, wurden sie schon bald systematisch aus der Gesellschaft ausgeschlossen und verfolgt. Bis heute halten sich diskriminierende Stereotype und starke Vorurteile gegenüber der größten Minderheit Europas. Der preußische Sinto Romeo Franz kämpft seit Jahrzehnten für die Rechte von Sinti und Roma. In »Großonkel Pauls Geigenbogen« erzählt er seine beeindruckende deutsche Familiengeschichte. Wohl situiert, waren seine Ahnen bereits im 17. Jahrhundert ansässig in Preußen, Schlesien und Pommern und prägten dort die kulturelle und kaufmännische Welt. Mitreißend erzählt Franz die Chronik seiner Familie vom 19. Jahrhundert bis heute. Schillernde Charaktere und außergewöhnliche Schicksale treten ans Licht – aber auch die Erinnerungen an Ausgrenzung, Abwertung im Kaiserreich und schließlich die Vernichtung durch die Nazis.
Mit großem Stolz gibt er tiefe Einblicke in seine Herkunft und beleuchtet nicht nur die Bedeutung von Musik, Familie und Zusammenhalt, sondern auch die Folgen der fortgesetzten Verfolgung, die bis in die heutigen Generationen nachwirken. Romeo Franz‘ Geschichte ist ein bewegendes Plädoyer gegen Antiziganismus und eine Einladung zur Auseinandersetzung und zum Umdenken hin zu etwas ganz Selbstverständlichem: Gleichberechtigung.
Im Sommer 2025 war ich Gast in einem bemerkenswerten Podcast, den Schüler:innen aus Berlin Neuköln zum Thema Nahost geschaffen haben. Sie vollbrachten es, international renommierte Expertinnen und Experten rund um das Thema Israel und Palästina zu verschiedenen Aspekten des Konflikts zu interviewen. Mein Beitrag bezog sich auf das „Spannungsdreieck“ Israel-Palästina-Deutschland. Es war mir eine große Freude, mit den aufgeweckten Schülern zu sprechen. Der Podcast ging Ende Dezember 2025 online und erfreut sich bester Kritiken.
Mein Vortrag „Kontinuitäten des Antiziganismus und gesellschaftlicher Dialog“ im Bayerischen Landtag
Zum Gedenktag an den Auschwitz-Erlass von Heinrich Himmler am 16. Dezember 1942, der zur massiven Deportation deutscher Sinti und Roma führte, hielt ich am 12. Dezember im Bayerischen Landtag das Hauptreferat „Selbstbehauptung nach Auschwitz Kontinuitäten des Antiziganismus und gesellschaftlicher Dialog“. Engagierte Ansprachen gab es u. a. von Gülseren Demirel (Grüne Bayerischer Landtag), Marian Offmann (SPD-Stadtrat) und Ex-OB München Christian Ude. Beeindruckend auch der Erste Kriminalhauptkommissar Fabian Freese mit seinem Bekenntnis zur Rolle der Polizei in der NS-Zeit und ihrer Verantwortung heute. Organisiert hatte diese beeindruckende Gedenkstunde mit Musik vom Elias Prinz und Nico Franz Quartett das „Madhouse München“. Durch die Moderation führten Madhouse-Chef Alexander Diepold (Vorsitzender der Bundesvereinigung der Sinti und Roma BVSR) und Gaby dos Santos. Als Gäste anwesend waren unter anderem Patricia Koller, Vorsitzende des Behindertenverbands Bayern e. V., und Ernst Grube (Ehrenbürger Münchens und ehem. Präsident der Lagergemeinschaft Dachau). Dank an die Organisator:innen, alle Mitwirkenden und das aufmerksame Publikum für diesen würdevollen und bewegenden Abend!