Filmvorführung von „Until we Talk“ (Florian Mebes) mit anschließender Diskussionsrunde in Kooperation mit Parents Circle Friends DE.
30. Oktober, 18 Uhr im Central im Bürgerbräu Würzburg
Seba Abudaqa aus dem Gazastreifen und Efrat Apter aus Israel sprechen mit Alexandra Senfft über ihre Vorstellungen für das Zusammenleben von Israelis und Palästinenser:innen. Efrat Apter ist Musikerin, Pädagogin und Mitglied des Parents Circle–Families Forum, einer israelisch-palästinensischen Organisation für Menschen beider Seiten, die Angehörige durch Krieg, Terror und Gewalt verloren haben. Seba Abudaqa ist Mitgründerin und Leiterin von Clean Shelter, einer Hilfsorganisation, die im Gazastreifen Sanitäranlagen und Unterkünfte bereitstellt.
Beide Frauen engagieren sich für Frieden – mit unterschiedlichen Geschichten und Ansätzen, aber im selben Geist. Moderiert wird das Gespräch von Alexandra Senfft, Autorin, Mitbegründerin und Co-Vorständin von Parents Circle Friends Germany e. V.
Der Historiker und Politikwissenschaftler Omar Kamil widerspricht den einfachen Erklärungen und verfolgt ins seinem neuen Buch „Muslimischer Antisemitismus“ die politischen und historischen Quellen des weltweiten Judenhasses der Freitag, 09.10.2026 >> zum Beitrag (hinter einer paywall)
„Es gebe „eine Art importierten Antisemitismus“, sagte Friedrich Merz 2025, angesprochen auf die stark angestiegenen antisemitischen Straftaten in Deutschland. Er begründete das mit „der großen Zahl von Migranten“ und meinte damit Menschen aus arabischen und muslimischen Ländern. Allein, Kriminalstatistiken belegen, dass rechtsextremer Antisemitismus weiterhin am virulentesten ist. Kürzlich bezeichnete der Kanzler Antisemitismus aber auch als „die perfideste Form von Ausländerfeindlichkeit“ – eine Ignoranz, die befürchten lässt, er könnte nicht nur gegen Muslime, sondern auch gegen Juden Vorurteile hegen.
Nun hat Merz die Bezeichnung „importierter Antisemitismus“ aber nicht erfunden: Seit den 2000er-Jahren befeuert dieser Begriff antimuslimische Ressentiments und rechtsradikale Rhetorik. Seit den Hamas-Verbrechen am 7. Oktober 2023 sind Muslime weitaus pauschaler in die Antisemitismuskritik gerückt – und mit ihnen zugleich jene, die sich für die Anerkennung palästinensischen Leids starkmachen.
Daher kommt das neue Buch von Omar Kamil gerade recht….“
Manche Shoah-Überlebende leiden erst Jahrzehnte später unter Traumata – indes glaubt Deutschland, die Vergangenheit bewältigt zu haben. Jacob Eder rüttelt im Buch „Jenseits der Staatsräson“ an der deutschen Erinnerungskultur. Ein Gespräch
Mein Gespräch mit Jacob Eder von der Barenboim-Said-Akademie Berlin in: der Freitag, 8. Juli 2026
[Auszug] „An der Berliner Barenboim-Said-Akademie lehren Sie jungen Musiker:innen aus dem Nahen und Mittleren Osten sowie Israel Geschichte – lauter Menschen aus verfeindeten Ländern. Wie schaffen sie es, deren widersprüchliche Narrative ins Gespräch zu bringen, ohne dass es zu Streit und Abbrüchen kommt?„
„Die Barenboim-Said-Akademie ist zunächst eine Musikhochschule, die gemeinsame Klammer ist die Musik. Zur musikalischen Bildung zählen wir aber auch humanistische Bildung: die Begegnung mit den Geschichten, Erfahrungen und Erzählungen der jeweils „Anderen“. Stereotype und unbewusste Vorurteile speisen sich bekanntlich aus vereinfachten, aber unvollständigen Narrativen, die wir über uns selbst und andere erzählen. Wenn wir im Dialog solche Narrative identifizieren und hinterfragen, erhöht das die Skepsis gegenüber vorschnellen Urteilen. Polarisierende Fragen werden darüber überhaupt erst gemeinsam besprechbar. Das erleben wir sehr praktisch, wenn israelische und palästinensische Studierende über 1948 diskutieren – Israels Staatsgründung und die „Nakba“ – oder wenn wir hören, was es bedeutet, als junge Musikerin im Iran aufzuwachsen, wenn türkische Studierende die Geschichte der „Gastarbeiter“ erklären oder allen bewusst wird, dass sie über einige Herkunftsländer ihrer Kommilitonen absolut gar nichts wissen. Meinungsverschiedenheiten bleiben mitunter bestehen, aber ohne die Vertrautheit mit der Sichtweise der jeweils anderen Seite und die Erkenntnis, dass jedes Narrativ seine eigene Geschichte und Funktion hat, lässt sich nicht einmal die Grundlage für ein Gespräch legen.“
Die syrische Autorin Samar Yazbek hat Überlebende aus Gaza interviewt. Das Leid, das die Augenzeugenberichte dokumentieren, soll Eingang ins kollektive Gedächtnis finden
[…] „Es gibt keine Kinder in Gaza; wir müssen zu schnell erwachsen werden“, sagt eine 13-Jährige, die als einzige das Bombardement eines UN-Busses überlebte. Viele Kinder wollten sich nützlich machen, indem sie versprengte Körperteile sammelten. Ein 16-Jähriger berichtet, welche Gewalt sich wegen eines Schlucks Wasser auch untereinander entfaltete; wer rücksichtsvoll war, ging leer aus
Samar Yazbek ertrug es, die Geschichten der Betroffenen anzuhören, nun mutet sie sie ihren Leser:innen zu. Es sind Dokumente unermesslichen Leids. Die Autorin betont zugleich, dass ihre Gesprächspartner des Mitleids nicht bedürften. Fast alle träumen davon, eines Tages nach Gaza zurückzukehren“.
Bestsellerautor Alaa al-Aswani beschreibt, wie Nationalismus und Misstrauen eine ganze Stadt verstummen lassen Meine Rezension von Die Bäume streifen durch Alexandria von Alaa al-Aswani, Hanser Verlag 2026 in: der Freitag 11/26, 11. März 2026 >> zur Rezension (hinter paywall)
Über Schuld, Scham und Verantwortung in Täterfamilien
Am 23. Januar 2026 erschien mein Gespräch mit Shai Hoffmann, der den hervorragenden Podcast Über Israel und Palästina sprechen produziert. Es war ein interessanter Austausch, die Zeit verflog im Nu. Es war mir eine Freude, mit Shai zu reden.
Alexandra Senfft über Schuld, Scham und Verantwortung in Täterfamilien Über Israel und Palästina sprechen
In dieser Folge spreche ich mit Alexandra Senfft über Schuld, Scham, Verantwortung – und darüber, warum das Schweigen oft lauter wirkt als jedes Wort. Alexandra Senfft ist Autorin und Islamwissenschaftlerin. Seit 1984 reist sie regelmäßig in den Nahen Osten und hat sich früh eine tiefe regionale Expertise erarbeitet. Sie war Pressesprecherin von UNRWA im Gazastreifen während der ersten Intifada und hat politische Gewalt, Alltag und Trauma aus unmittelbarer Nähe erlebt.Zugleich engagiert sie sich seit vielen Jahren in der Erinnerungs- und Dialogarbeit: als Vorständin im Arbeitskreis für die intergenerationellen Folgen des Holocausts, als Vorstand und Mitbegründerin von Parents Circle Friends Deutschland sowie als Beisitzerin des Präsidiums der Lagergemeinschaft Dachau. Ausgehend von ihrer eigenen NS-Familiengeschichte sprechen wir darüber, was es bedeutet, Täter*innenschaft innerhalb der eigenen Familie anzuerkennen – und warum genau diese Auseinandersetzung so schmerzhaft, aber auch so notwendig ist. Senfft hat diese Fragen auch literarisch und analytisch bearbeitet, unter anderem in Schweigen tut weh. Eine deutsche Familiengeschichte, Fremder Feind, so nah und Der lange Schatten der Täter. Zuletzt veröffentlichte sie 2024 gemeinsam mit Romeo Franz Großonkel Pauls Geigenbogen, die Familiengeschichte eines preußischen Sinto. Wir reden über Abwehrmechanismen wie Verdrängung, Relativierung und Schuldumkehr. Über den Unterschied zwischen Schuld und Verantwortung. Und über die Frage, was passiert, wenn Tätergeschichten nicht aufgearbeitet werden – weder im Privaten noch gesellschaftlich. Ein weiterer Fokus liegt auf Dialogarbeit und biografischem Erzählen: Was braucht es, damit solche Räume nicht nur symbolisch bleiben, sondern tatsächlich transformativ wirken? Welche Rolle spielen Initiativen wie der Parents Circle, in denen Menschen trotz Gewalt und Verlust bewusst auf Entmenschlichung verzichten? Diese Folge ist eine Einladung, Widersprüche auszuhalten, Ambivalenzen zuzulassen und Verantwortung nicht als moralische Pose, sondern als Voraussetzung für Empathie und Konfliktfähigkeit zu begreifen. Gästin: Alexandra Senfft Host: Shai Hoffmann
>> zum Gespräch auf Spotify hier >> zum Gespräch auf apple Podcast hier >> zum Gespräch auf Instagram hier >> Homepage von Shai Hoffmann hier
Im Sommer 2025 war ich Gast in einem bemerkenswerten Podcast, den Schüler:innen aus Berlin Neuköln zum Thema Nahost geschaffen haben. Sie vollbrachten es, international renommierte Expertinnen und Experten rund um das Thema Israel und Palästina zu verschiedenen Aspekten des Konflikts zu interviewen. Mein Beitrag bezog sich auf das „Spannungsdreieck“ Israel-Palästina-Deutschland. Es war mir eine große Freude, mit den aufgeweckten Schülern zu sprechen. Der Podcast ging Ende Dezember 2025 online und erfreut sich bester Kritiken.
In der Hamburger Stadtteilschule Julius-Leber Schule las ich am 2. Dezember 2025 den Schüler:innen aus meinem Buch „Fremder Feind so nah. Begegnungen mit Palästinensern und Israelis“ vor. Das Buch, mit Fotos von Judah Passow, ist 2009 erschienen aber — leider — noch immer so aktuell wie damals. Darin porträtiere ich auch Mitglieder des Parents Circle — Families Forum, dem Forum für trauernde palästinensische und israelische Angehörige (PCFF). Also Vorständin des deutschen Freundeskreises Parents Circle Friends Deutschland e. V. erzählte ich den Schüler:innen auch von unserer Arbeit und den Friedensaktivitäten des Parents Circles. Meine Botschaft war: Zum Frieden tragen wir nur bei, wenn wir uns für beide Seiten engagieren, für beide Narrative offen bleiben und Empathie für alle Betroffenen zeigen. Ich plädierte dafür, sich nicht auf social media oder von manchen Medien in eine Haltung von Hass und Rache treiben zu lassen. Es sei wichtig, die Dynamik der Polarisierung zu durchbrechen und friedensstiftend zu wirken.
Die Schüler:innen und ihre engagierten Lehrerinnen beteiligten sich rege an der anschließenden Diskussion. Es ist mir immer wieder eine große Freude, mit jungen Menschen ins Gespräch zu kommen!
TISCHGESPRÄCHE MIT IN DEUTSCHLAND LEBENDEN ISRAELIS UND PALÄSTINENSERN
Das Staatstheater Augsburg wagte einen mutigen Schritt, indem es am 12. Oktober Sprechräume über den Nahostkonflikt für das Publikum öffnete. Es war eine gute Erfahrung, mit der israelisch-deutschen Schauspielerin Natalie Hünig, dem palästinensisch-deutschen Islamwissenschaftler Zakariyya Meißner, der israelischen Regisseurin Sapir Heller und dem Autor, Übersetzer und Verleger Matthias Naumann Tischgespräche mit den Teilnehmende zu moderieren und in den Austausch zu gehen. Das ist bei der angespannten und polarisierten Atmosphäre wahrlich keine Selbstverständlichkeit. Dank ans Augsburger Staatstheater für die Initiative. >> Link zur Veranstaltung
Als Vorständin von Parents Circle Friends Deutschland e. V., einem Verein, der die israelisch-palästinensische Organisation Parents Circle-Families Forum für trauernde Israelis und Palästinenser:innen unterstützt, nahm ich am 21. September 2025 teil an der Verleihung des 16. Internationaler Nürnberger Menschenrechtspreis 2025 für Parents Circle. Es war eine außerordentlich bewegende und würdige Feier. Der Preis für Friedensengagement und Dialog für den Parents Circle war ein starkes Signal gegen die allgegenwärtige Polarisierung und Sprachlosigkeit und für die Menschlichkeit und Sprachfähigkeit in Zeiten von Hass und Hetze.