Historiker: „Nie wieder ist jetzt? Der Slogan verkennt, dass Holocaustleid nie endete“

Manche Shoah-Überlebende leiden erst Jahrzehnte später unter Traumata – indes glaubt Deutschland, die Vergangenheit bewältigt zu haben. Jacob Eder rüttelt im Buch „Jenseits der Staatsräson“ an der deutschen Erinnerungskultur. Ein Gespräch

Mein Gespräch mit Jacob Eder von der Barenboim-Said-Akademie Berlin
in: der Freitag, 8. Juli 2026

[Auszug]
An der Berliner Barenboim-Said-Akademie lehren Sie jungen Musiker:innen aus dem Nahen und Mittleren Osten sowie Israel Geschichte – lauter Menschen aus verfeindeten Ländern. Wie schaffen sie es, deren widersprüchliche Narrative ins Gespräch zu bringen, ohne dass es zu Streit und Abbrüchen kommt?

„Die Barenboim-Said-Akademie ist zunächst eine Musikhochschule, die gemeinsame Klammer ist die Musik. Zur musikalischen Bildung zählen wir aber auch humanistische Bildung: die Begegnung mit den Geschichten, Erfahrungen und Erzählungen der jeweils „Anderen“. Stereotype und unbewusste Vorurteile speisen sich bekanntlich aus vereinfachten, aber unvollständigen Narrativen, die wir über uns selbst und andere erzählen. Wenn wir im Dialog solche Narrative identifizieren und hinterfragen, erhöht das die Skepsis gegenüber vorschnellen Urteilen. Polarisierende Fragen werden darüber überhaupt erst gemeinsam besprechbar.
Das erleben wir sehr praktisch, wenn israelische und palästinensische Studierende über 1948 diskutieren – Israels Staatsgründung und die „Nakba“ – oder wenn wir hören, was es bedeutet, als junge Musikerin im Iran aufzuwachsen, wenn türkische Studierende die Geschichte der „Gastarbeiter“ erklären oder allen bewusst wird, dass sie über einige Herkunftsländer ihrer Kommilitonen absolut gar nichts wissen. Meinungsverschiedenheiten bleiben mitunter bestehen, aber ohne die Vertrautheit mit der Sichtweise der jeweils anderen Seite und die Erkenntnis, dass jedes Narrativ seine eigene Geschichte und Funktion hat, lässt sich nicht einmal die Grundlage für ein Gespräch legen.“

>> zum Artikel, der Freitag, 10. Juli 2026 (paywall)

Die Last des Schweigens

Folgen der NS-Zeit

Deutschlandfunk Kultur Lange Nacht von Burkard Reinartz, 9. Mai 2026

1933-1945: Die NS-Zeit war recht kurz, doch die Traumata, Schuld und Schweigen prägen Generationen. Immer mehr Nachkommen recherchieren: Auf welcher Seite standen die Vorfahren? Studien zeigen, wie groß die Lücke zwischen Erinnerung und Realität ist.

In diesem langen Podcast von Deutschlandfunk Kultur komme ich mehrfach zu Wort und freue mich, dass ich an diesem außergewöhnlich guten Feature mitwirken durfte.

>> zum Beitrag auf Deutschlandfunk Kultur, 9.5.25

„Plötzlich war ich Mitglied einer Täterfamilie!“

Mein Interview in: Kulturleben, BR2, 30. April 2026

War Opa ein Nazi? Diese Frage haben sich sicher viele gestellt, die jetzt die endlich online gestellte NSDAP-Mitgliedskartei durchsucht haben. Woher das immense Interesse über 80 Jahre nach Kriegsende? Oder können erst die Enkel das familiäre Schweigekartell durchbrechen? Darüber diskutieren Alexandra Senfft, Buchautorin und Enkelin des NS-Kriegsverbrechers Hanns Ludin, und der TV Moderator Andreas Bönte, Enkel eines Täters bei den November-Pogromen, zusammen mit Andrea Mühlberger. 
Autorin: Andrea Mühlberger
>> zum BR2 Beitrag

Verlust, Verleugnung, Verschweigen in Zerrbilder

Verlust, Verleugnung, Verschweigen
Reflexionen über die Mechanismen familiärer Erinnerungen – ein Prozess
Alexandra Senfft
in: Gross, Ulrich, Schuck (Hg.) Zerrbilder. Zum Wirken und Fortwirken nationalsozialistischer Mentalität
Ch. Links, Aufbau Verlage, Berlin
April 2024

Eine Festschrift für Werner Konitzer

Der Nationalsozialismus produzierte Zerrbilder, die bis heute nachwirken. Die historische Auseinandersetzung mit ihnen ist keineswegs abgeschlossen, wie die Beiträge dieses Bandes zu Ehren des Philosophen Werner Konitzer eindrucksvoll belegen. Die Autorinnen und Autoren folgen ihm, der sich um die Erforschung der nationalsozialistischen Morallehren und Sittlichkeitsvorstellungen verdient gemacht hat, in dem Versuch, die Untiefen der NS-Geschichte auszuloten und deren Folgen zu begreifen.

Mit Beiträgen von Johanna Bach, Fritz Backhaus, Jonas Balzer, Philipp Batthyány, Martin Bauer, Andrea Büttner, Emmanuel Faye, Lena Foljanty, Raphael Gross, Wolfgang Kraushaar, Kathrin Meß, David Palme, Herlinde Pauer-Studer, Monika Schmidt, Dirk Schuck, Alexandra Senfft, Bernd Ulrich, Michael Wildt und Rolf Zimmermann

https://www.aufbau-verlage.de/ch-links-verlag/zerrbilder/978-3-96289-211-1

Breaking the Spell of the Nazi Past:

How to find a voice and a language to address NS war crimes within one’s own family
Webinar, Brandeis University, 13. Dezember 2023

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Center for German and European Studies
Mandel Center for the Humanities, First Floor Pod 127
MS 092
Brandeis University
415 South Street
Waltham, MA 02453

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Meine Wortbeiträge in der WDR-Sendung ZeitZeichen:

Stimme gegen Faschismus: Martin Bormann jr.
WDR ZeitZeichen, 11.03.2023

Die Autorin Irene Dänzer-Vanotti hat mich als Autorin und zweite Vorsitzende des Arbeitskreises für Intergenerationelle Folgen des Holocaust, http://pakh.de für Ihren Beitrag über den Sohn von Hitlers Sekretär, Martin Bormann jun., interviewt.

Historiker Tom Segev im Gespräch: „Ich wollte immer der Erzähler sein, nicht die Story“

Der israelische Historiker Tom Segev hat sich immer wieder kritisch mit der Mythenbildung seine Landes befasst. In seinem neuen Buch setzt er sich mit den Mythen der eigenen Familie auseinander – und erklärt, warum er sie schwerer begreift

Mein Interview mit Tom Segev über sein neues Buch „Ecke Jerusalem Berlin“, Siedler Verlag 2022
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