Tribute to Tomi Reichental

My Nazi grandfather sent Tomi Reichental to Bergen-Belsen death camp 
Despite all the suffering he endured, the Holocaust survivor chose compassion over hate
Alexandra Senfft in: Irish Times, 2. Juni 2026

„I was deeply anxious during the train journey from Vienna to Bratislava, the Slovak capital, in 2014. Holocaust survivor Tomi Reichental was expecting me there, together with Gerry Gregg’s film crew. They were shooting the documentary Close to Evil. 

Tomi was born in Czechoslovakia but moved to Ireland in 1959. He had been a young boy when he and his family were deported by the Nazis to the Bergen-Belsen concentration camp in Germany in 1944. Tomi survived, but 35 of his relatives were murdered in the Holocaust; his grandmother died before his eyes in the camp.

My grandfather, however, was Hanns E Ludin, the “envoy of the Third Reich to Slovakia”, and it was he who signed the deportation orders. Ludin was convicted as a war criminal and executed in Bratislava in 1947.

Tomi’s and my family histories were thus tragically intertwined…“

>> weiterlesen, Irish Times, 2. Juni 2026

Foto: Tomi Reichental mit Alexandra Senfft und ihrer Tochter Magdalena bei den Dreharbeiten zu Close to Evil, Bratislava 2014

Wer in der NSDAP-Mitgliederkartei seinen Opi findet, kann die Wahrheit trotzdem leugnen

Seit der Online-Öffnung der NSDAP-Mitgliedskartei suchen viele Deutsche dort nach ihren Vorfahren. Doch was kann die Privat-Recherche in Zeiten der AfD bewirken? „Wie hätte ich mich damals verhalten?“ ist jedenfalls die falsche Frage

von Alexandra Senfft
der Freitag, 4. Juni 2026

„Ein Blick in die Ende Februar online gestellte NSDAP-Mitgliedskartei, schon finde ich meinen Großvater väterlicherseits: eingetreten am 1. Mai 1933. Gerade noch in letzter Minute, denn am selben Tag pausierte die Nazi-Partei, die sich als Auslese der Besten empfand, weitere Aufnahmen bis 1937. Mein Großvater war Ingenieur und baute Brücken, auch für die Nazis. Ansonsten wurde er nicht weiter aktenkundig, er starb bald nach Kriegsbeginn an einem Nierenleiden. Ein Mitläufer war er allemal.

Anders verhält es sich mit dem Vater meiner Mutter. Als Gesandter Nazi-Deutschlands in der Slowakei hatte Hanns E. Ludin die Deportation der slowakischen Juden zu verantworten. Er wurde 1947 als Kriegsverbrecher in Bratislava gehängt. Seine Schuld und deren Leugnung zermürben meine Familie bis heute. Ausgerechnet ihn finde ich bei der Online-Recherche aber nicht beziehungsweise nur unter falsch geschriebenem Namen; ohne sein Geburtsdatum könnte ich ihn nicht identifizieren. Dabei war er ein ideologisch früh gefestigtes NSDAP-Mitglied – er und meine Großmutter traten schon 1930 ein.

Die meisten Nazis waren keine NSDAP-Mitglieder

Die Online-Datenbank alleine hätte mich bezüglich meiner Großväter glatt auf die falsche Fährte geführt. Die NSDAP-Kartei sagt nichts über das Maß individueller Schuld aus. Verbrechen und Beihilfe zum Mord begingen die Nazis auch ohne Parteibuch. Das brauchten sie auch nicht zum Wegsehen…“

>> weiterlesen (der Freitag, 4. Juni 2026, paywall)

Schweigen tut weh mit Gespräch

Ich las mal wieder aus meinem Buch „Schweigen tut weh. Eine deutsche Familiengeschichte“ (2007, classen Verlag, 2008 List/Ullstein Buchverlage) – am 8. Oktober 2025 im Werkraum Schoepflin. Im Anschluss sprach ich vor vollem Haus mit der Werkraum-Leiterin Birgit Degenhardt, Tochter eines in der NS-Zeit politisch Verfolgten. Wir erörterten auch unsere ähnlichen und sehr unterschiedlichen Erfahrungen als Nachkommen der NS-Zeit.

Foto: Jan Novotny, Werkraum Schoepflin