Podcast Über Israel und Palästina

Über Schuld, Scham und Verantwortung in Täterfamilien

Am 23. Januar 2026 erschien mein Gespräch mit Shai Hoffmann, der den hervorragenden Podcast Über Israel und Palästina sprechen produziert. Es war ein interessanter Austausch, die Zeit verflog im Nu. Es war mir eine Freude, mit Shai zu reden.

Alexandra Senfft über Schuld, Scham und Verantwortung in Täterfamilien
Über Israel und Palästina sprechen

In dieser Folge spreche ich mit Alexandra Senfft über Schuld, Scham, Verantwortung – und darüber, warum das Schweigen oft lauter wirkt als jedes Wort. Alexandra Senfft ist Autorin und Islamwissenschaftlerin. Seit 1984 reist sie regelmäßig in den Nahen Osten und hat sich früh eine tiefe regionale Expertise erarbeitet. Sie war Pressesprecherin von UNRWA im Gazastreifen während der ersten Intifada und hat politische Gewalt, Alltag und Trauma aus unmittelbarer Nähe erlebt.Zugleich engagiert sie sich seit vielen Jahren in der Erinnerungs- und Dialogarbeit: als Vorständin im Arbeitskreis für die intergenerationellen Folgen des Holocausts, als Vorstand und Mitbegründerin von Parents Circle Friends Deutschland sowie als Beisitzerin des Präsidiums der Lagergemeinschaft Dachau. Ausgehend von ihrer eigenen NS-Familiengeschichte sprechen wir darüber, was es bedeutet, Täter*innenschaft innerhalb der eigenen Familie anzuerkennen – und warum genau diese Auseinandersetzung so schmerzhaft, aber auch so notwendig ist. Senfft hat diese Fragen auch literarisch und analytisch bearbeitet, unter anderem in Schweigen tut weh. Eine deutsche Familiengeschichte, Fremder Feind, so nah und Der lange Schatten der Täter. Zuletzt veröffentlichte sie 2024 gemeinsam mit Romeo Franz Großonkel Pauls Geigenbogen, die Familiengeschichte eines preußischen Sinto. Wir reden über Abwehrmechanismen wie Verdrängung, Relativierung und Schuldumkehr. Über den Unterschied zwischen Schuld und Verantwortung. Und über die Frage, was passiert, wenn Tätergeschichten nicht aufgearbeitet werden – weder im Privaten noch gesellschaftlich. Ein weiterer Fokus liegt auf Dialogarbeit und biografischem Erzählen: Was braucht es, damit solche Räume nicht nur symbolisch bleiben, sondern tatsächlich transformativ wirken? Welche Rolle spielen Initiativen wie der Parents Circle, in denen Menschen trotz Gewalt und Verlust bewusst auf Entmenschlichung verzichten? Diese Folge ist eine Einladung, Widersprüche auszuhalten, Ambivalenzen zuzulassen und Verantwortung nicht als moralische Pose, sondern als Voraussetzung für Empathie und Konfliktfähigkeit zu begreifen.
Gästin: Alexandra Senfft
Host: Shai Hoffmann

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Psychological Dimensions: The Long Shadow of the Perpetrators

Im Sommer 2025 war ich Gast in einem bemerkenswerten Podcast, den Schüler:innen aus Berlin Neuköln zum Thema Nahost geschaffen haben. Sie vollbrachten es, international renommierte Expertinnen und Experten rund um das Thema Israel und Palästina zu verschiedenen Aspekten des Konflikts zu interviewen.
Mein Beitrag bezog sich auf das „Spannungsdreieck“ Israel-Palästina-Deutschland. Es war mir eine große Freude, mit den aufgeweckten Schülern zu sprechen. Der Podcast ging Ende Dezember 2025 online und erfreut sich bester Kritiken.

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Mit Schüler:innen über den Nahostkonflikt sprechen

In der Hamburger Stadtteilschule Julius-Leber Schule las ich am 2. Dezember 2025 den Schüler:innen aus meinem Buch „Fremder Feind so nah. Begegnungen mit Palästinensern und Israelis“ vor. Das Buch, mit Fotos von Judah Passow, ist 2009 erschienen aber — leider — noch immer so aktuell wie damals.
Darin porträtiere ich auch Mitglieder des Parents Circle — Families Forum, dem Forum für trauernde palästinensische und israelische Angehörige (PCFF). Also Vorständin des deutschen Freundeskreises Parents Circle Friends Deutschland e. V. erzählte ich den Schüler:innen auch von unserer Arbeit und den Friedensaktivitäten des Parents Circles. Meine Botschaft war: Zum Frieden tragen wir nur bei, wenn wir uns für beide Seiten engagieren, für beide Narrative offen bleiben und Empathie für alle Betroffenen zeigen. Ich plädierte dafür, sich nicht auf social media oder von manchen Medien in eine Haltung von Hass und Rache treiben zu lassen. Es sei wichtig, die Dynamik der Polarisierung zu durchbrechen und friedensstiftend zu wirken.

Die Schüler:innen und ihre engagierten Lehrerinnen beteiligten sich rege an der anschließenden Diskussion. Es ist mir immer wieder eine große Freude, mit jungen Menschen ins Gespräch zu kommen!

Über den Israel-Palästina-Konflikt sprechen

TISCHGESPRÄCHE MIT IN DEUTSCHLAND LEBENDEN ISRAELIS UND PALÄSTINENSERN

Das Staatstheater Augsburg wagte einen mutigen Schritt, indem es am 12. Oktober Sprechräume über den Nahostkonflikt für das Publikum öffnete. Es war eine gute Erfahrung, mit der israelisch-deutschen Schauspielerin Natalie Hünig, dem palästinensisch-deutschen Islamwissenschaftler Zakariyya Meißner, der israelischen Regisseurin Sapir Heller und dem Autor, Übersetzer und Verleger Matthias Naumann Tischgespräche mit den Teilnehmende zu moderieren und in den Austausch zu gehen. Das ist bei der angespannten und polarisierten Atmosphäre wahrlich keine Selbstverständlichkeit. Dank ans Augsburger Staatstheater für die Initiative.
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16. Internationaler Nürnberger Menschenrechtspreis 2025

Als Vorständin von Parents Circle Friends Deutschland e. V., einem Verein, der die israelisch-palästinensische Organisation Parents Circle-Families Forum für trauernde Israelis und Palästinenser:innen unterstützt, nahm ich am 21. September 2025 teil an der Verleihung des 16. Internationaler Nürnberger Menschenrechtspreis 2025 für Parents Circle. Es war eine außerordentlich bewegende und würdige Feier. Der Preis für Friedensengagement und Dialog für den Parents Circle war ein starkes Signal gegen die allgegenwärtige Polarisierung und Sprachlosigkeit und für die Menschlichkeit und Sprachfähigkeit in Zeiten von Hass und Hetze.

Eines Tages“ von Kriegsreporter Omar El Akkad: Der Bruch, der in die Barbarei führt

In seinem Buch „Eines Tages werden alle immer schon dagegen gewesen sein“ rechnet Kriegsreporter Omar El Akkad wütend mit den Machtzentren des Westens ab – sein Mut hat ihn dabei nicht verlassen
Meine Rezension in der Freitag, 7. Juli 2025

„Es ist eine bedrückende Anklage: Der Autor kritisiert das politische System, insbesondere die Machtzentren des Westens und die Kaltblütigkeit des Neoliberalismus. Er entwirft einen globalen Überblick, schreibt aber zugleich aus arabisch-muslimischer Perspektive. Wegen seiner Herkunft wird er ständig mit antimuslimischen Vorurteilen konfrontiert, soll sich für jeden Araber erklären. Die Region, der seine Familie den Rücken kehrte, schont er aber nicht. Er attestiert ihr ein „unverbindliches Verhältnis zu Recht und Gesetz“. Demütigungen waren alltäglich, sein Vater litt unter der Willkür arabischer Staatsorgane. El Akkad begriff sein sicheres Leben im Westen schnell als Privileg und machte Karriere. Auch wenn ihn seine journalistischen Einblicke hinter die Kulissen desillusionierten, glaubte er weiter an die Kraft der freien Welt – bis zum Massaker der Hamas an israelischen Zivilist:innen und der massiven militärischen Reaktion der israelischen Regierung.“

>> ganze Rezension lesen, der Freitag 7.7.25 (hinter einer Paywall)

Befreiung von Buchenwald: Wer bestimmt, wie wir gedenken?

Der israelische Philosoph Omri Boehm mahnt zur friedlichen Koexistenz in Israel. Nun wurde er auf Druck der Regierung Netanjahu von der Befreiungsfeier des KZ Buchenwalds ausgeladen. War das richtig?
der Freitag, 10. April 2025
>> zum Artikel

Im Fokus der Erinnerung stehen hierzulande meist nur die Opfer, während die Täter:innen in den eigenen Familien meist ausgeblendet bleiben. Die Nazi-Verbrecher, das waren die „Anderen“. Mitunter ist das Gedenken in akademisch oder politisch korrekt gehaltene Reden gegossen, die die familiäre Beteiligung aussparen und die emotionalen Implikationen auf Abstand halten. Ein ritualisiertes Gedenken ohne persönlichen Bezug entkoppelt sich moralisch und intellektuell leicht von der Gegenwart. Dabei geraten die Opfer und die Überlebenden mit ihren Nachkommen zu Objekten, vereinnahmt für die eigene Entlastung. Wie authentisch ist also das, was wir als Gedenkkultur bezeichnen?

»Familiengeschichte und die Herausforderungen des Erinnerns“

Über meinen Vortrag mit Gespräch an der Fachhochschule Erfurt am 9. Dezember 2024

„Autorin und Publizistin Alexandra Senfft zu Gast an der FH Erfurt 
In dieser Woche, am 09.12.2024, lud die Fakultät Angewandte Sozialwissenschaften (ASW) der Fachhochschule Erfurt zu einer bewegenden Veranstaltung mit der renommierten Autorin und Publizistin Alexandra Senfft ein. Unter dem Titel „Familiengeschichte und die Herausforderungen des Erinnerns“ sprach sie im Audimax über ihre biografische Arbeit und stellte zentrale Themen ihrer Bücher vor, die sich u.a. mit den Folgen des Holocaust und der NS-Zeit auseinandersetzen.

Alexandra Senfft beleuchtete, wie die Erfahrungen der Vergangenheit nachfolgende Generationen prägen und wie Bildung sowie Dialog helfen können, Vorurteile und Diskriminierung zu überwinden. Besonders eindrucksvoll war ihre Darstellung der Methode des „Storytellings“, die Brücken zwischen den Nachkommen von Täter:innen und Opfern schlägt.

In der Veranstaltung hatten die Teilnehmenden die Möglichkeit, ihre Fragen einzubringen und sich aktiv an der Diskussion zu beteiligen. Von der Veranstaltung konnten die Studierenden direkt für ihr eigenes Studium partizipieren. Beispielsweise erkundigte sich eine Studentin, wie die eigene Familiengeschichte erforscht werden könne. Die Biografiearbeit spielt als eine der Methoden der Angewandten Sozialwissenschaften eine wichtige Rolle, wenn es um die Analyse, Gestaltung und Verbesserung sozialer Prozesse und Strukturen geht.

Die Veranstaltung bot allen Teilnehmenden wertvolle Impulse, sich mit der eigenen Geschichte und gesellschaftlichen Herausforderungen wie Antisemitismus und Diskriminierung auseinanderzusetzen.“

Alexandra Senfft mit Dozentin Germana Alberti vom Hofe
Foto: Clara Czech, FH Erfurt 

Mein Interview zum Nürnberger Menschenrechtspreis 2025 an den Parents Circle – Families Forum, Israeli Palestinian Bereaved Families for Peace

Der Nürnberger Menschenrechtspreis 2025 geht an die israelisch-palästinensische Versöhnungsinitiative Parents Circle – Families Forum (PCFF). In Bayern 2 spricht Vorstandsmitglied Alexandra Senfft über den deutschen Unterstützerkreis.
Bayerischer Rundfunk, BR2, 27.November 2024
>> Interview anhören

Israel/Palästina: Der israelische Autor David Grossmann kennt den einzigen Weg für Nahost

Rezension von Alexandra Senfft

David Grossman verlor seinen Sohn im Libanonkrieg, gab aber nie, auch nicht nach dem 7. Oktober, das Schreiben gegen Hass und Krieg zwischen Israel und Palästina auf. Sein neues Buch trägt den Titel „Frieden ist die einzige Option“

Während im Gazastreifen unerbittlich weitergekämpft wird und die Zivilbevölkerung größte Not leidet, fragen sich viele, wie es angesichts der Zerstörung und der seelischen Folgen nach dem Krieg weitergehen könnte. Auf der Münchner Sicherheitskonferenz 2017 fragte David Grossman: „Wie viel Blut muss noch vergossen werden, bis wir einsehen, dass der Frieden unsere einzige Option ist?“ Mit der Lösung bezog sich Grossman …

Der Freitag, Ausgabe 12/2024

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