Als stellvertretende Vorsitzende des Arbeitskreis für Intergenerationelle Folgen des Holocaust, ehem. PAKH.de, trafen ich mich Ende Oktober mit unserem PAKH-Vorstand und Mitgliedern im RomnoKher (Haus der Kultur) des Verbands Deutscher Sinti und Roma, Landesverband Baden-Württemberg in Mannheim. Wir erzählten uns unsere Geschichten, wurden vom Vorsitzenden des Landesverbands, Daniel Strauß, in der Ausstellung „Mari Parmissi“ über die Geschichte der Sinti und Roma informiert und machten einen Spaziergang zu einem Gedenkort für die Mannheimer Sinti, die von den Nationalsozialist:innen ermordet wurden. Es war ein bewegender und intensiver Tag, der den dringend notwendigen, gesellschaftlichen Austausch vorangebracht hat. Foto: Melody Klibisch
Unsere Lesung mit Musik in Freiburg im Breisgau im Kommunalen Kino am 9. Oktober 2025
Eine wunderbare Lesung war es mit einem hoch interessierten und emphatischen Publikum im Kommunalen Kino Freiburg! Dank an das Kinoteam, die Fairburg und vor allem den Verband Deutscher Sinti und Roma Landesverband Baden-Württemberg
Ich las mal wieder aus meinem Buch „Schweigen tut weh. Eine deutsche Familiengeschichte“ (2007, classen Verlag, 2008 List/Ullstein Buchverlage) – am 8. Oktober 2025 im Werkraum Schoepflin. Im Anschluss sprach ich vor vollem Haus mit der Werkraum-Leiterin Birgit Degenhardt, Tochter eines in der NS-Zeit politisch Verfolgten. Wir erörterten auch unsere ähnlichen und sehr unterschiedlichen Erfahrungen als Nachkommen der NS-Zeit.
RomnoKehr (Haus der Kultur), Verband Deutscher Sinti und Roma Landesverband Baden-Württemberg, Mannheim, 28. September 2025 18-20:00 Uhr
Es war eine schöne Veranstaltungen mit Chana Freundlich-Dischereit (Nachkomme jüdischer Überlebender der NS-Zeit), Adrian Oeser (Nachkomme eines NS-Täters) und Sunny Franz (anstelle von Wesley Höllenreiner, Nachkomme von Sinti-Verfolgten der NS-Zeit).
In seinem Buch „Eines Tages werden alle immer schon dagegen gewesen sein“ rechnet Kriegsreporter Omar El Akkad wütend mit den Machtzentren des Westens ab – sein Mut hat ihn dabei nicht verlassen Meine Rezension in der Freitag, 7. Juli 2025
„Es ist eine bedrückende Anklage: Der Autor kritisiert das politische System, insbesondere die Machtzentren des Westens und die Kaltblütigkeit des Neoliberalismus. Er entwirft einen globalen Überblick, schreibt aber zugleich aus arabisch-muslimischer Perspektive. Wegen seiner Herkunft wird er ständig mit antimuslimischen Vorurteilen konfrontiert, soll sich für jeden Araber erklären. Die Region, der seine Familie den Rücken kehrte, schont er aber nicht. Er attestiert ihr ein „unverbindliches Verhältnis zu Recht und Gesetz“. Demütigungen waren alltäglich, sein Vater litt unter der Willkür arabischer Staatsorgane. El Akkad begriff sein sicheres Leben im Westen schnell als Privileg und machte Karriere. Auch wenn ihn seine journalistischen Einblicke hinter die Kulissen desillusionierten, glaubte er weiter an die Kraft der freien Welt – bis zum Massaker der Hamas an israelischen Zivilist:innen und der massiven militärischen Reaktion der israelischen Regierung.“
Sinti und Roma kämpfen weiter um die Erinnerung an den NS-Völkermord
Dem Historiker Eberhard Jäckel wird nachgesagt, 1995 in Diskussionen über ein zu schaffendes Denkmal für Sinti und Roma gefrotzelt zu haben, dann könne man genauso gut ein Denkmal gegen das Morden vonWalen fordern. Es war auch Jäckel, der noch 2005 insistierte, auf den Denkmalstafeln das »Z-Wort« zu benutzen: »In ihrer 500jährigen Geschichte und auch in der NS-Zeit, auf die es hier ankommt, wurden die Zigeuner niemals und von niemandem ›Sinti und Roma‹ genannt«. Der Historiker wusste offensichtlich nicht, dass Sinti und Roma das Z-Wort untereinander nie benutzen, ja dass dieses Wort in ihrer Sprache, dem Romanes, überhaupt nicht existiert. Er ignorierte auch, dass die Selbstbezeichnung »Sinti und Roma« öffentlich längst etabliert war. Das Z-Wort war von jeher eine Fremdbezeichnung, die die Nazis für ihre Politik der Verfolgung und Vernichtung verwendeten – in Auschwitz tätowierten sie ihren Opfern das Z in die Haut. Bis heute ist es »ein Schimpf- und Schmähwort«, das eine äußerst heterogene Minderheit krude auf einen Nenner reduziert und deren Mitglieder beleidigtund verletzt. Viele »Gadje« (Romanes für Menschen aus der Dominanzgesellschaft) halten rücksichtslos an der Z-Bezeichnung fest, nicht zuletzt, wenn es um ihr Schnitzel oder die ungarische Sauce geht.
Forum Wissenschaft 1/2025 17.03.2025: Umkämpfte Erinnerung?
Denkmal für Sinti und Roma Europas vom Bau einer S-Bahn-Trasse bedroht
Ungerührt beschloss der Berliner Senat im Dezember 2023 den Bau der besagten Trasse: Mobilität vor Erinnerung an die Opfer der Nazis. Als handele es sich beim Denkmal der Sinti und Roma um eine beliebige städtische Fläche. Man stelle sich den Aufschrei vor, das Denkmal für die ermordeten Juden Europas wäre auf ähnliche Weise unter Angriff geraten. Sinti und Roma gilt offenbar weniger Respekt.
in: Informationen der Lagergemeinschaft Dachau, Nr. 53/2025, S. 9 f.
… Die Gedenkveranstaltung setzte nicht nur auf eingespielte Rituale. So saßen bei der Diskussion nach der Kranzniederlegung Nachkommen von Opfern und von Tätern gemeinsam auf einem Podium. Der Großvater der Autorin Alexandra Senfft war als NS-Diplomat in der Slowakei für Deportationen mitverantwortlich. „In der Familie ist nie darüber gesprochen worden, was das praktisch bedeutet hat“, sagt sie, „das Schweigen war beredt bei uns“,. Sie hat mehrere Bücher über ihre Familiengeschichte geschrieben, obwohl sie dafür als „Nestbeschmutzerin“ angefeindet wurde. „Wir müssen begreifen, wie eine ganze Gesellschaft an einem Massenmord mitgewirkt hat“, sagt Alexandra Senfft … zum Artikel in der Hannoverschen Allgemeinen 4.3.25
Über meinen Vortrag mit Gespräch an der Fachhochschule Erfurt am 9. Dezember 2024
„Autorin und Publizistin Alexandra Senfft zu Gast an der FH Erfurt In dieser Woche, am 09.12.2024, lud die Fakultät Angewandte Sozialwissenschaften (ASW) der Fachhochschule Erfurt zu einer bewegenden Veranstaltung mit der renommierten Autorin und Publizistin Alexandra Senfft ein. Unter dem Titel „Familiengeschichte und die Herausforderungen des Erinnerns“ sprach sie im Audimax über ihre biografische Arbeit und stellte zentrale Themen ihrer Bücher vor, die sich u.a. mit den Folgen des Holocaust und der NS-Zeit auseinandersetzen.
Alexandra Senfft beleuchtete, wie die Erfahrungen der Vergangenheit nachfolgende Generationen prägen und wie Bildung sowie Dialog helfen können, Vorurteile und Diskriminierung zu überwinden. Besonders eindrucksvoll war ihre Darstellung der Methode des „Storytellings“, die Brücken zwischen den Nachkommen von Täter:innen und Opfern schlägt.
In der Veranstaltung hatten die Teilnehmenden die Möglichkeit, ihre Fragen einzubringen und sich aktiv an der Diskussion zu beteiligen. Von der Veranstaltung konnten die Studierenden direkt für ihr eigenes Studium partizipieren. Beispielsweise erkundigte sich eine Studentin, wie die eigene Familiengeschichte erforscht werden könne. Die Biografiearbeit spielt als eine der Methoden der Angewandten Sozialwissenschaften eine wichtige Rolle, wenn es um die Analyse, Gestaltung und Verbesserung sozialer Prozesse und Strukturen geht.
Die Veranstaltung bot allen Teilnehmenden wertvolle Impulse, sich mit der eigenen Geschichte und gesellschaftlichen Herausforderungen wie Antisemitismus und Diskriminierung auseinanderzusetzen.“
Alexandra Senfft mit Dozentin Germana Alberti vom Hofe Foto: Clara Czech, FH Erfurt
Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges haben viele Familien die eigene NS-Vergangenheit verdrängt oder geschönt dargestellt. Geschichten von Widerstand und Heldentaten überlagern oft die unliebsamen Wahrheiten. Auch in Familien der Opfer wurde häufig geschwiegen. Zu groß der Schmerz, zu tief die Wunden. Aber das Schweigen hat Auswirkungen auf die nachfolgenden Generationen. Welche Auswirkungen sind das? Darum soll es in den diesjährigen „Gesprächen gegen das Vergessen“ gehen.
Moderator Andreas Bönte lädt die Nachfahren von Holocaustüberlebenden, Rachel Salamander und Michael Wolffsohn, sowie die Nachfahrin eines NS-Kriegsverbrechers, Alexandra Senfft, zum Gespräch ins Münchner Volkstheater ein. Wie haben sie jeweils die Aufarbeitung in ihren Familien erlebt? Die weiteren Gäste sind der 21-jährige Marco Artmann, der in seinem erfolgreichen Podcast „Opa lass reden“ gemeinsam mit seinem Großvater auf Spurensuche gegangen ist. Neben einer wissenschaftlichen Einbettung des Themas durch den Diplom-Psychologen Louis Lewitan werden Musikeinlagen des preisgekrönten Augsburger Violinisten Nico Franz sowie Filmbeiträge und Schülerauftritte die Theaterbühne zu einem Forum gegen das Vergessen machen. Moderation: Prof. Andreas Bönte (BR)
Von links: Prof. Dr. Michael Wolffsohn und Dr. Rachel Salamander (beide Nachfahren von Holocaustüberlebenden), Andreas Bönte (Moderator), Marco Artmann (Podcast „Opa lass reden“), Alexandra Senfft (Nachfahrin eines NS-Kriegsverbrechers) und Louis Lewitan (Psychologe und Autor). Foto/Copyright Bayerischer Rundfunk Alexandra Senfft Foto/Copyright Bayerischer Rundfunk