Jerusalem

Alexandra Senfft | Biographie

Alexandra Senfft
Ihr Studium der Near and Middle Eastern Studies begann Alexandra Senfft an der University of St. Andrews in Schottland. Zuvor hatte sie das englische Abitur gemacht und in Perugia und Paris die Landessprachen gelernt.

1987 schloss sie an der Universität von Hamburg in Islamwissenschaft, Germanistik und Anglistik mit einem Magister Artium ab (Thema: Die Jordanische Presse). Ab 1984 reiste Senfft regelmäßig in den Nahen Osten, außerdem erhielt sie ein Sprachstipendium des Deutschen Akademischen Austauschdienstes an der Ain Shams Universität von Kairo und lernte auch an der University of Jordan in Amman Arabisch.

Ende der 1980er Jahre war sie zwei Jahre Nahostreferentin der Fraktion DIE GRÜNEN im Deutschen Bundestag. Die erste Intifada, der Aufstand der Palästinenser gegen die israelische Besatzung, die Menschenrechtslage im Iran und in Kurdistan gehörten zu den Schwerpunkten ihrer Arbeit. Auf einer politischen Reise mit

europäischen Parlamentariern in die palästinensischen Flüchtlingslager in Jordanien, der Westbank und im Gazastreifen lernte Senfft an Ort und Stelle die Arbeit des Hilfswerks der Vereinten Nationen für Palästinaflüchtlinge (UNRWA) kennen. Bald darauf war sie als UNRWA-Beobachterin in der Westbank tätig, um die Zwischenfälle zwischen palästinensischen Aufständischen und israelischem Militär zu dokumentieren. Senfft wurde dann zur Pressesprecherin von UNRWA im Gazastreifen ernannt und erlebte dort sowohl die Intifada als auch den Golfkrieg von 1991. Während dieser Aufenthalte in den palästinensischen Gebieten pflegte sie zugleich enge Kontakte zu Israelis aus der Friedensbewegung, zu israelischen Menschenrechtlern und Journalisten.
Seit 1994 schreibt Senfft als freie Journalistin, u. a. für die Süddeutsche Zeitung, DIE ZEIT, die Frankfurter Rundschau, die Frankfurter Allgemeine Zeitung, die tageszeitung, die Jüdische Allgemeine, Die Blätter für deutsche und internationale Politik, die KAS Auslandsinformationen, Universitas, den Züricher Tages-Anzeiger, SPIEGEL-online und Qantara.de.

Spätestens ab diesem Zeitpunkt war Alexandra Senfft überzeugt, dass es keine Alternative gibt, als mit beiden Seiten zugleich, den Palästinensern und den Israelis, im Dialog zu bleiben. Ihre ersten Artikel, unter anderem für die Süddeutsche Zeitung, erschienen.

Im Sommer 1991 kehrte Senfft nach Deutschland zurück, um sich neuen Herausforderungen zu stellen. Es begann eine langjährige freie Mitarbeit für die Heinrich Böll Stiftung, für die sie zwischen 1992 und 2005 in Israel Projekte im Bereich Zivilgesellschaft – Minderheiten, Arbeitsrechte, Frauenrechte – evaluierte. Ein Jahr arbeitete die Islamwissenschaftlerin als Redakteurin in der Talkshow »0137« vom Fernsehsender Premiere mit Roger Willemsen und Sandra Maischberger in Hamburg. 1992 folgten weitere 16 Monate als Nachrichtenredakteurin und Reporterin für VOX in Köln.

Schiffe

Sechs Jahre lang war Alexandra Senfft Mitglied im Vorstand des Deutsch-Israelischen Arbeitskreises für Frieden im Nahen Osten diAk e. V. (Hamburg) >> www.diak.org. In dieser Funktion gab sie u. a. die Zeitschrift »Israel & Palästina« mit heraus, zeichnete für Presseerklärungen mit verantwortlich und organisierte mit ihren KollegInnen in Zusammenarbeit mit der Heinrich Böll Stiftung und der Evangelischen Akademie in Arnoldshain Nahost-Jahrestagungen mit internationalen ReferentInnen.

Über die Bücher des israelischen Psychologen Dan Bar-On, dem Senfft bereits 1991 begegnet war, kam sie im Jahr 2000 mit der Körber-Stiftung in Hamburg in Verbindung, für die sie seither wiederholt als freie Mitarbeiterin in verschiedenen Projekten gearbeitet hat. Dazu gehören das Konzept und der Text für das Jubiläumsheft des deutsch-türkischen Dialogs und vor allem die Assistenz von Dan Bar-On im dreijährigen Dialog-Trainingsseminar »Story Telling in Conflict« (2006-2008). Nach der akademischen, politischen, praktischen und journalistischen Erfahrung kam nun noch eine psychologische Sichtweise auf den Nahostkonflikt und auf schwer lösbare Konflikte im allgemeinen hinzu.
Schweigen tut weh

2007 erschien Senffts Buch »Schweigen tut weh. Eine deutsche Familiengeschichte« beim »claassen Verlag« und 2008 als Taschenbuch bei »List«, das auf ein breites Medienecho stieß, u. v. a. »Titel Thesen Temperamente«, Der Spiegel, DIE ZEIT, Süddeutsche Zeitung, taz, Zwischentöne (Deutschlandfunk), west.art am sonntag (WDR), Nachtcafé (SWR). Für ihre Auseinandersetzung mit der eigenen Familiengeschichte in Folge der Zeit des Nationalsozialismus, ist die Autorin 2008 mit dem >> Deutschen Biographiepreis ausgezeichnet worden.

2008 gab Senfft mit dem Wiener Politologen John Bunzl das Buch »Zwischen Antisemitismus und Islamophobie. Vorurteile und Projektionen in Europa und Nahost« heraus und diskutierte anlässlich Israels 60. Jahrestages mit anderen Experten in der ORF-Sendung »kreuz & quer« über »Israel und der neue Antisemitismus«. Im selben Jahr war Senfft Kuratorin für das soziologisch-politische Rahmenprogramm von »Access to Israel. Israelische Gegenwartskunst« im Jüdischen Museum Frankfurt am Main.

Im Februar 2010 nahm sie an der internationalen Konferenz des »Palestinian-Israeli Peace NGO Forum« und der Region Toskana in Florenz zum Thema: »Europe’s Role in the Resolution of the Palestinian-Israeli Conflict:promoting a better understanding of relations between groups in conflict in the fields of Education, Media and Human Security« als Expertin teil.

Alexandra Senfft moderiert Diskussionen in deutscher und englischer Sprache, zum Beispiel für das KörberForum und den Jüdischen Salon »Café Leonar«, das Thalia Theater, das Harbour Festival Hamburg oder die deutsch-palästinensische Gesellschaft in Hamburg sowie das Jüdische Museum in Frankfurt.

Im Mai 2016 ist Alexandra Senffts neues Buch »Der lange Schatten der Täter – Nachkommen stellen sich ihrer NS-Familiengeschichte« bei Piper erschienen.

Podcast – Umdenken in Nahost?
Lösung im Nahostkonflikt müsse vor allem vom Willen der Staaten in der Region ausgehen. Der Konflikt könne nur auf dem Verhandlungswege gelöst werden. Die Publizistin Alexandra Senfft sprach mit dem palästinensischen Intellektuellen und bekannten Querdenker Sari Nusseibeh im KörberForum über verbliebene Wege.
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Alexandra Senfft | Autorin | Publizistin | info@alexandra-senfft.de